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Tenuta di Carleone

„Il Guercio“ – der einäugige Schelm – nennen die Toskaner Sean O’Callaghan liebevoll. Der gebürtige Brite mit der Augenklappe studierte in Geisenheim, arbeitete auf Schlossgut Diel und verliebte sich dann rettungslos in den Sangiovese. Die Tenuta di Carleone ist das Resultat dieser Leidenschaft: Auf 700 Metern Höhe bei Radda, wo der Wind die Trauben kühlt und der Kalkstein den Weinen Spannung verleiht, entstehen Chianti Classico von geradezu elektrisierender Frische. Gambero Rosso zeichnete ihn dafür mit Tre Bicchieri aus.
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Von Teeplantagen in Sri Lanka zu Tre Bicchieri in der Toskana
Die Geschichte klingt erfunden: Ein Engländer aus einer Teepflanzer-Familie, der in Geisenheim studiert, auf Schlossgut Diel als Kellermeister arbeitet – und dann zum gefeiertsten Sangiovese-Interpreten seiner Generation wird. Doch Sean O’Callaghan, geboren mit einem blinden rechten Auge (daher sein Spitzname „Il Guercio“), hat genau diesen Weg beschritten. Über 20 Jahre lang prägte er das legendäre Weingut Riecine, bevor er 2012 gemeinsam mit dem österreichischen Unternehmer Karl Egger die Tenuta di Carleone gründete – auf einem Anwesen, das erstmals 1078 als Castiglioni urkundlich erwähnt wurde.

Montane Kühle auf 700 Metern
Die etwa 30 Hektar Weinberge der Tenuta di Carleone liegen zwischen Radda und Gaiole, im historischen Kerngebiet des Chianti Classico. Was diese Lage so besonders macht: Die Höhe von bis zu 700 Metern schafft beinahe alpine Bedingungen. Frischer Wind streicht permanent über die Rebzeilen, die Nächte sind kühl, die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht enorm. Das Ergebnis: Sangiovese von vibrierender Säure und kristalliner Präzision. Die Böden aus Kalkstein und Lehm schenken den Weinen zusätzlich mineralische Tiefe – eine Kombination, die an die besten Lagen des Burgunds erinnert. Einige der Sangiovese-Reben sind über 60 Jahre alt und bringen ihre Geschichte in jeden Tropfen.
Beton statt Barrique
Im Keller der Tenuta di Carleone geht O’Callaghan konsequent seinen eigenen Weg. Wo andere auf neue Barriques setzen, bevorzugt er Betontanks und große, gebrauchte Holzfässer. Der Grund: Er möchte, dass der Sangiovese nach Sangiovese schmeckt – nicht nach Toast und Vanille. Die Gärung erfolgt mit natürlichen Hefen, gefiltert und geschönt wird nicht. Bei Weinen wie dem Il Randagio setzt er auf bis zu vier Monate Mazeration mit Ganztraubenanteil – ein Verfahren, das Struktur und Komplexität schafft, ohne die charakteristische Frische zu opfern. Auch bei Corzano e Paterno, einem anderen toskanischen Traditionsgut südlich von Florenz, verfolgt man einen ähnlich respektvollen Umgang mit dem Terroir – dort grasen sogar Schafe zwischen den Reben.

Die Weine: Vom Pianvecchio bis zum Tre-Bicchieri-Chianti
Das Portfolio spannt einen weiten Bogen. Der Pianvecchio – eine ungewöhnliche Cuvée aus Vermentino und Riesling – zeigt O’Callaghans deutsche Wurzeln und überrascht mit Blütenduft und zitrusfrischer Saftigkeit. Der namensgebende Il Guercio ist purer, konzentrierter Sangiovese: dunkel, dicht, mit Noten von Schwarzkirsche und Feigen, getragen von reifer Säure und samtigen Tanninen. Der Chianti Classico, inzwischen mit den begehrten Tre Bicchieri des Gambero Rosso ausgezeichnet, verkörpert die Essenz von Radda: brillante Energie, knackige Frucht und jene unverwechselbare Spannung, die nur aus dieser Höhenlage entstehen kann. Antonio Galloni von Vinous bringt es auf den Punkt: „Sean O’Callaghan macht einige der unverwechselbarsten Weine im gesamten Chianti Classico.“






