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Saint Jean Du Barroux

Philippe Gimel, Winzer von Saint Jean du Barroux

Ein Pharmaziestudent, der alles hinwirft, um Önologe zu werden – und dann mit dem berühmten Geologen Claude Bourguignon durch die Provence streift, um den perfekten Weinberg zu finden. So beginnt die Geschichte von Domaine Saint Jean du Barroux, Philippe Gimels Reich am Fuße des Mont Ventoux.

Was er 2003 hier vorfand: zwölf Hektar alte Reben, keine Infrastruktur, kein Keller. Was er daraus machte: einen der aufregendsten Betriebe der gesamten Rhône. Seine biozertifizierten Weinberge zwischen 300 und 500 Metern Höhe gleichen eher Gärten als Produktionsflächen – durchzogen von Hecken, umgeben von Obstbäumen und aromatischen Kräutern.




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Der Extraterrestre vom Ventoux

Philippe Gimel wird in der Region als „Außerirdischer“ bezeichnet – und das ist durchaus als Kompliment gemeint. Bevor er sein eigenes Weingut gründete, lernte er bei den Besten: im Château de Beaucastel in Châteauneuf-du-Pape, bei Pierre-Bise an der Loire und bei der Domaine de la Janasse. Was er dort verinnerlichte, trägt er heute in seine eigene Philosophie: kompromisslose Qualität, auch wenn der Preis dafür persönlicher Komfort ist.

Die ersten Jahre wohnte Gimel buchstäblich in seinem kleinen Keller. Jeder gesparte Euro floss in die Reben. Heute bewirtschaftet er gut 16 Hektar – davon 12,5 unter Reben, der Rest ist Wald und Obstgarten. Seine Erträge von etwa 20 Hektoliter pro Hektar sind selbst für biodynamische Verhältnisse extrem niedrig.

Weinberge von Saint Jean du Barroux am Mont Ventoux

Sechs geologische Schichten

Was Claude Bourguignon hier entdeckte, gleicht einem geologischen Lehrbuch. Bis zu sechs verschiedene Gesteinsschichten finden sich auf Gimels Parzellen – ähnlich wie in Chavignol im Sancerrois. Auf den helleren, sandigen Böden gedeihen Grenache, Carignan und Cinsault. Die dunkleren, steinigeren Lagen in höheren Zonen sind Syrah und Grenache vorbehalten.

Die Rebstöcke sind im Schnitt über 40 Jahre alt. Zwischen den Zeilen wachsen Wildkräuter, summen Bienen, nisten Vögel. Die kühlen Nächte auf 400 Metern – Adrien Roustan nutzt sie bei d’Ouréa auf der anderen Seite der Dentelles genauso – schenken den Weinen eine Frische, die in der südlichen Rhône selten ist.

Die Kunst der Traubengröße

Gimels Signatur: Er trennt die Trauben nicht nach Parzelle, sondern nach Beerengröße. Aus den größeren, saftigeren Trauben entsteht La Source – 18 Monate im Betontank gereift. Die kleineren Beeren, teils mit Stielen vergoren, werden zu L’Argile (24 Monate). Und die allerkleinsten, mit hohem Stielanteil, ergeben La Pierre Noire – kraftvoll, würzig, 36 Monate gereift.

Eichenholz sucht man hier vergebens. Alle Weine reifen in Betontanks, die den reinen Fruchtausdruck in den Vordergrund stellen. Sein weißer La Montagne aus Grenache Blanc, Bourboulenc und Clairette braucht nach Gimels Überzeugung acht Jahre Flaschenreife, bevor er freigegeben wird.

Die Dentelles de Montmirail in der südlichen Rhône

Reinheit als Manifest

„Der Winzer ist Hüter des Landes“ – so formuliert Philippe Gimel seine Philosophie. Bio-Zertifizierung durch Ecocert ist für ihn keine Marketing-Maßnahme, sondern Garantie für die Reinheit seiner Weine. Er ist bekannt dafür, lautstark für strenge Bio-Standards einzutreten – und jeden Wein erst dann freizugeben, wenn er ihn für bereit hält.

Das Ergebnis? Ventoux-Weine von einer Klarheit und Tiefe, die in dieser sonnenüberfluteten Region ihresgleichen suchen. Wer Philippe Gimel trifft, erlebt einen schnell sprechenden, streitbaren Charakter voller kreativer Energie. In seinen Flaschen findet sich genau das wieder: kompromisslose Intensität, gepaart mit überraschender Frische aus den Höhenlagen des Ventoux.

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