Verkostungsnotiz
Wenn ein Wein die Philosophie eines ganzen Weinguts auf den Punkt bringt, dann dieser. Les Manyes ist die Grand-Cru-Spitze von Dominik Huber und Tatjana Peceric, und sein Jahrgang 2016 erhielt als erster spanischer Wein überhaupt 100 Punkte vom Wine Advocate. Der Jahrgang 2023 war geprägt von extremer Trockenheit und winzigen Erntemengen, brachte aber Trauben von guter Balance und feinen, eleganten Tanninen. Ein Wein, der beweist: Reife braucht keine Überreife.
- Farbe & Aussehen
- Hell leuchtendes Kirschrot, transparent, mit zarten hellen Reflexen und nur dezenten violetten Anklängen. Fast rustikal in seiner Klarheit – und von einer filigranen Eleganz, die unweigerlich an Pinot Noir denken lässt.
- Nase
- Große Feinheit und Ursprünglichkeit. Sauerkirsche im Zentrum, dazu Walderdbeere, Holunderbeere und ein Hauch Cassis. Florale Noten von Veilchen und Hibiskus schweben darüber, darunter eine tief verwobene Erdigkeit: Waldboden, Tannennadeln, Kiefernhain. Mediterrane Kräuter – Rosmarin, Thymian, Garrigue, Lavendel – gesellen sich zu einer fein gesponnenen Würze aus Piment, Wacholder und Kardamom. Nichts laut, alles präzise.
- Gaumen
- Zunächst fast ruppig, dann von berührender Frische. Eine spitze, hochstehende Säure trägt den Saft dunkler Früchte – Sauerkirsche, Brombeere, Holunder – und erzeugt enormen Trinkfluss. Blutige, eisenhaltige Anklänge erinnern an Volnay; die Finesse speist sich aus Stein und Mineralität. Schlank, kühl, nie üppig – ein Wein, der tanzt statt zu poltern.
- Abgang
- Von subtiler Würze getragen: Olive, Wacholder, Rosmarin und Thymian tauchen immer wieder auf, während die Säure die Spannung hält – präzise und von großer innerer Klarheit.
- Terroir & Herkunft
- Die Reben stehen hoch oben auf 800 Metern im Cabaces Montsant Natural Park. Roter Ton mit reichlich Kalk bildet den ungewöhnlichen Untergrund. Die 15 Hektar des Weinguts werden organisch und biodynamisch bewirtschaftet; Huber gehört zu den frühesten Erntenden der Region.
- Rebsorte & Vinifikation
- Reinsortig Garnacha Peluda – die „haarige“ Spielart der Grenache – von 60 Jahre alten Reben. Manuell gelesen, als Ganztrauben vergoren, acht Monate im Zement ausgebaut. Keine Sekunde Holz. Trocken, mit moderaten 13,5% Vol.
- Speiseempfehlungen
- Die kühle Frische und Kräuterwürze verlangen nach Lammrücken mit Rosmarin, gegrilltem Gemüse mit Olivenöl oder Entenbrust. Auch zu Tapas mit Pimientos de Padrón oder einem reifen Manchego eine wunderbare Wahl.
- Besonderheiten
- Infusion statt Extraktion: Auf dem Gut bleiben die Beeren ganz, werden nicht gequetscht und nicht gepumpt, und seit Jahren wird nicht mehr gerührt. Das Ergebnis ist ein Priorat ohne Wucht, ein Grenache mit burgundischer Anmutung. Ein großes Stück Wein in zeitgemäßer Interpretation.





