Sechs Gänge, zwölf Weinempfehlungen, zwei Preisklassen — ein kompletter Leitfaden für das Oster-Menü.
Ostern ist das erste große Festessen des Jahres. Die Tafel ist gedeckt, die Gäste sind eingeladen — und dann steht man vor dem Weinregal und fragt sich: Was trinken wir eigentlich zum Spargel? Passt der Riesling auch zum Lamm? Brauche ich wirklich einen Dessertwein?
Wir haben uns durch unser Sortiment getrunken und für jeden Gang des klassischen Ostermenüs zwei Weine ausgesucht: einen soliden Allrounder und einen besonderen Festtagswein. Keine Theorie, keine Sommelierprüfung — sondern konkrete Empfehlungen, die funktionieren.
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Premiumpaket 6 Flaschen · ca. 145 € → |
Festtagspaket 6 Flaschen · ca. 294 € → |
Aperitif: Den Ton setzen
Der Aperitif ist mehr als nur das erste Glas. Er markiert den Übergang vom Alltag zum Fest. Die Gäste kommen an, Jacken werden abgelegt, die ersten Gespräche beginnen — und dazu sollte etwas Prickelndes im Glas stehen. Nicht, weil es Konvention ist, sondern weil Kohlensäure den Gaumen aktiviert und auf das kommende Essen vorbereitet.
Worauf es ankommt: Trocken muss er sein. Restsüße im Aperitif macht die Zunge träge, bevor das Essen überhaupt anfängt. Brut Nature oder Extra Brut — also komplett ohne oder mit minimaler Dosage — sind ideal. Der Unterschied zwischen einem guten Winzersekt und einem Champagner ist dabei weniger eine Frage der Qualität als des Stils: deutscher Sekt bringt oft mehr Frucht und Frische mit, während Champagner typischerweise mit hefiger Komplexität und Kreide-Mineralität punktet.
Chardonnay Auxerrois Sekt Brut Nature 2022
Andres & Mugler · Pfalz · ca. 23 €
Winzersekt aus der Pfalz, traditionelle Flaschengärung, ganz ohne Dosage. Chardonnay und Auxerrois ergeben einen knochentrocken, präzisen Sekt mit Brioche-Noten und grünem Apfel. So fängt Ostern richtig an.
Éclats Édition Speciale Extra Brut
Jeaunaux-Robin · Champagne · ca. 48 €
Grower-Champagner aus der Côte des Bar – Pinot Noir, Chardonnay und Pinot Meunier, alles bio-zertifiziert. Kreide, Mirabelle, endlos langer Abgang. Das Upgrade, das den Tisch zum Schweigen bringt.
Spargel: Die schwierigste Paarung
Spargel und Wein — das klingt einfach, ist aber eine der tückischsten Kombinationen der Weinwelt. Der Grund hat einen Namen: Asparagussäure. Diese schwefelhaltige Verbindung, die auch für den typischen Spargelgeruch verantwortlich ist, reagiert mit vielen Weinen und erzeugt einen metallischen, bitteren Nachgeschmack. Besonders betroffen sind tanninreiche Rotweine und einfache, säurearme Weißweine.
Was dagegen hilft: Weine mit eigenem Körper und moderater Säure. Weißburgunder ist der Klassiker — seine cremige Textur und dezente Nussigkeit harmonieren mit der Sauce Hollandaise, während die Säure dem Spargel Paroli bietet. Für grünen Spargel vom Grill funktionieren auch aromatischere Sorten wie Sauvignon Blanc oder Grüner Veltliner, deren Kräuternoten die Röstaromen ergänzen.
Weisser Burgunder „Zeitspiel 3“ 2022
Tement · Südsteiermark · ca. 21 €
Spätfüllung – der Wein lag extra lange auf der Feinhefe. Cremig, Birne, Haselnuss, trotzdem straff. Weißburgunder, wie er sein sollte. Und der klassische Spargel-Begleiter.
R‘ Chardonnay trocken 2023
Ökonomierat Rebholz · Pfalz · ca. 50 €
Hannes Rebholz und Chardonnay auf Muschelkalk – spontan vergoren, unfiltriert. Nussig, mineralisch, mit Tiefe. Das ist Meursault-Niveau aus der Südpfalz. Spargel wird zur Nebensache.
Fisch am Karfreitag: Frische statt Schwere
Karfreitag ohne Fleisch — das ist die Tradition. Und sie hat den schönen Nebeneffekt, dass Fisch einer der dankbarsten Partner für Weißwein ist. Ob Lachs aus dem Ofen, Forelle aus der Pfanne oder Saibling vom Grill: Die Grundregel lautet Frische und Mineralität.
Wichtig dabei: Nicht jeder Weißwein passt. Ein schwerer, holzbetonter Chardonnay kann die feinen Aromen des Fischs regelrecht erschlagen. Besser sind Weine mit salziger Mineralität — sie spiegeln die Meeresaromen und ergänzen Zitrus-Marinaden. Turbiana vom Gardasee, Riesling von der Mosel oder ein Chardonnay ohne übertriebenen Holzeinsatz sind ideale Kandidaten.
TreCampane Lugana DOC 2024
Marangona · Gardasee · ca. 21 €
Turbiana vom Südufer des Gardasees. Mandel, weiße Blüten, salzige Mineralität. Der Wein, der am Gardasee zum Fisch bestellt wird. Funktioniert in Berlin genauso.
Drei Dörfer Chardonnay 2023
Franz Keller · Kaiserstuhl · ca. 42 €
Chardonnay vom Vulkangestein des Kaiserstuhls – spontan vergoren, im großen Holz ausgebaut. Rauchig, Zitrus, weiße Pfirsichhaut, burgundisch angehaucht. Zum gebratenen Saibling ein Traum.
Geflügel: Der vielseitige Hauptgang
Nicht jeder macht zum Osterfest Lamm. Ein ganzes Hähnchen im Ofen, ein Perlhuhn mit Morcheln, eine geschmorte Entenbrust — Geflügel ist der vielseitigste aller Hauptgänge. Und genau das macht die Weinwahl einfacher als man denkt: Sowohl ein eleganter Weißer als auch ein leichter Roter funktionieren.
Die Faustregel: Je kräftiger die Zubereitung, desto kräftiger der Wein. Ein pochiertes Hühnchen verlangt nach einem leichten Weißen, ein gebratenes Perlhuhn mit Pilzen nach einem mittelschweren Roten. Pinot Noir ist die sichere Bank — genug Struktur für Fleisch, aber nicht so viel Tannin, dass er das zarte Geflügel dominiert.
Pi:not Mugler & Schumann 2022
Steffen Mugler · Pfalz · ca. 26 €
Ungefilteter Spätburgunder, Gemeinschaftsarbeit zweier Pfälzer Winzer. Kirsche, Waldboden, seidige Tannine. Leichtfüßig genug für Geflügel, ernst genug für den Sonntagstisch.
Bourgogne Pinot Noir 2023
Sirugue-Noëllat · Burgund · ca. 49 €
Pinot Noir aus Vosne-Romanée – dem Epizentrum des Burgunds. Himbeere, Veilchen, seidige Textur. Zum Perlhuhn mit Morcheln ein Erlebnis.
Osterlamm: Der Klassiker ruft nach Rhône
Rosa gebraten, mit Kräuterkruste, Rosmarin und Knoblauch — das Osterlamm ist der Höhepunkt des Festessens. Und es gibt kaum eine bessere Paarung in der gesamten Weinwelt als Lamm und Rhône-Weine.
Warum gerade die Rhône? Lammfleisch hat einen unverwechselbaren, leicht wilden Eigengeschmack, der nach Weinen mit Kräuternoten und dunkler Frucht verlangt. Syrah aus der nördlichen Rhône bringt genau das mit: schwarze Oliven, Veilchen, Pfeffer, dazu eine Frische von den Granitböden, die das Fett des Lamms schneidet. Grenache-basierte Blends aus dem Süden gehen in eine opulentere Richtung — mehr dunkle Frucht, mehr Wärme, mehr Garrigue-Aromen von Thymian und Lavendel.
Saint Joseph D86 AOP 2024
Du Coulet · Nördliche Rhône · ca. 30 €
100% Syrah von Granitböden an der Rhône. Schwarze Olive, Veilchen, Pfeffer – wie eine Kräuterwiese an der Rhône. Elegant und trinkig, nie schwer. Das Lammkotelett sagt danke.
Châteauneuf-du-Pape Rouge 2022
La Nerthe · Südliche Rhône · ca. 55 €
Eines der ältesten Weingüter der Appellation, seit 1560. Grenache, Syrah, Mourvèdre auf den berühmten Galets roulés. Dunkle Frucht, Garrigue, warmer Stein. Zum Lammkarree der unangreifbare Klassiker.
Dessert: Süße braucht Säure
Apfeltarte, Osterschokolade, Käseplatte — das Fest klingt aus, und jetzt braucht es einen Wein, der Süße kann, ohne süßlich zu sein. Die Kunst des guten Dessertweins liegt nicht in der Restsüße allein, sondern in der Spannung zwischen Süße und Säure.
Zwei Rebsorten beherrschen diese Disziplin wie keine anderen: Chenin Blanc von der Loire und Riesling vom Rheingau. Beide bringen von Natur aus eine hohe Säure mit, die selbst bei deutlicher Restsüße für Frische und Trinkfluss sorgt. Ein guter demi-sec Vouvray oder eine Riesling Auslese ist niemals plump — sondern vibrierend, komplex und überraschend langlebig.
Übrigens: Eine halbe Flasche (375 ml) reicht für vier bis sechs Gläser und ist oft die klügere Wahl, weil der Wein so frisch bleibt.
Clos du Bourg demi-sec 2022 (375ml)
Huet · Vouvray, Loire · ca. 24 €
Legendärer Vouvray von Domaine Huet, biodynamisch seit 1990. Quitte, Honig, Limette – halbtrocken mit messerscharfer Säure. Die halbe Flasche reicht für den Desserttisch.
Riesling Lenchen Auslese 2021 (375ml)
Peter Jakob Kühn · Rheingau · ca. 50 €
Grosse Lage Lenchen – edelsüßer Riesling vom Rheingauer Schieferboden. Pfirsich, Aprikose, Honig – getragen von einer Säure, die alles in der Schwebe hält. Zur Ostertorte oder Blauschimmelkäse ein Erlebnis.
Die Kurzfassung
| Gang | Rebsorte/Stil | Warum |
|---|---|---|
| Aperitif | Sekt / Champagner | Aktiviert den Gaumen |
| Spargel | Weißburgunder / Chardonnay | Cremig genug für Hollandaise |
| Fisch | Lugana / Riesling | Mineralisch, nicht schwer |
| Geflügel | Pinot Noir | Leicht genug, ernst genug |
| Lamm | Syrah / Grenache (Rhône) | Kräuter treffen auf Kräuterkruste |
| Dessert | Chenin Blanc / Riesling | Süße braucht Säure |
Die fertigen Pakete
Keine Lust, einzeln auszuwählen? Wir haben die zwölf Weine in zwei fertige Pakete gepackt — einmal solide, einmal festtäglich. Sechs Flaschen, sechs Gänge, ein Klick.
Premiumpaket
Andres & Mugler Sekt · Tement Weißburgunder · Marangona Lugana · Pi:not Pinot Noir · Du Coulet Saint Joseph · Huet Clos du Bourg
ca. 145 € · 6 Flaschen
Festtagspaket
Jeaunaux-Robin Champagner · Rebholz Chardonnay · Franz Keller Chardonnay · Sirugue-Noëllat Pinot Noir · La Nerthe Châteauneuf · P.J. Kühn Auslese
ca. 294 € · 6 Flaschen













