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Pierre & Louis Trapet

Zwei Brüder, zwei Weinregionen, ein gemeinsames Projekt – so ließe sich am kürzesten erzählen, was hinter Pierre & Louis Trapet steckt, der jüngsten Adresse einer Familie, die im Burgund seit 1915 Wein macht. Pierre keltert im elsässischen Riquewihr, Louis im Gevrey-Chambertin der Eltern. Für ihr eigenes Weingut trafen sich die beiden auf halbem Weg: in der Côte de Beaune, auf 1,8 Hektar rund um Auxey-Duresses. Die Parzellen kamen über Louis’ Frau Justine in die Familie – ihr Elternhaus liegt unter der Montagne du Châtelet. Hier reifen Pinot Noir, Chardonnay und ein Aligoté von Rebstöcken aus dem Jahr 1934. Schon der erste Jahrgang 2020 geriet unangestrengt präzise.
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Trapet hoch zwei
Wer den Namen Trapet im Burgund hört, denkt an Gevrey-Chambertin: an die Grands Crus Chambertin und Latricières und an ein Weingut, das die Familie seit 1915 bewirtschaftet. Pierre und Louis Trapet, die Söhne von Jean-Louis Trapet, sind mit diesem Erbe aufgewachsen – und mit einem zweiten im Elsass, das ihre Mutter Andrée in die Familie brachte. Pierre arbeitet heute im elsässischen Riquewihr bei Trapet Alsace, Louis im Familienkeller von Trapet Père & Fils. Zwei Brüder, zwei Regionen, zwei volle Terminkalender – und der Wunsch, etwas Gemeinsames zu schaffen.
Die Idee tragen ihre Flaschen sichtbar: Auf dem Etikett verschlingen sich bunte Ringe ineinander, und in der Winzerszene spricht man von „Trapet²“ – Trapet hoch zwei. Den Boden für dieses gemeinsame Projekt fanden sie weder in Gevrey noch in Riquewihr, sondern auf halbem Weg dazwischen, in der Côte de Beaune.
Ein Weinberg als Mitgift
Den Ausschlag gab eine Heirat. Justine, die Frau von Louis, stammt aus Auxey-Duresses; ihr Elternhaus liegt am Fuß der Montagne du Châtelet, und zur Familie gehörten 1,8 Hektar Reben, die kaum noch jemand bewirtschaftete. Vier, fünf Jahre lang brachten die Brüder diese Parzellen wieder in Form, ehe sie 2020 ihren ersten eigenen Jahrgang füllten.
Es ist ein Flickenteppich, wie ihn nur das Burgund kennt: winzige Stücke in Auxey-Duresses, Pommard, Meursault und Saint-Romain. Manche Rebstöcke wurden 1924 gepflanzt, die ältesten Chardonnays 1932, der Aligoté 1934 – Wurzeln, die acht Jahrzehnte tief in den Kalk gewachsen sind. Auxey-Duresses selbst, eingebettet zwischen Saint-Romain und Meursault, gilt manchem Kenner als unterschätztes Herzstück der Côte de Beaune: die Mineralität eines Meursault-Nachbarn, der aufrechte Pinot eines kühleren Talkessels – zu Preisen, die den großen Namen ringsum noch nicht gefolgt sind.

Aligoté, dreimal gedacht
Das eigentliche Faszinosum der Brüder ist eine Rebsorte, die im Burgund lange als Zweitbesetzung galt: der Aligoté. Ihre 60 Ar im Klima Sous-Châtelet – benannt nach eben jener Montagne du Châtelet – liegen nach Norden ausgerichtet und wurden 1934 bepflanzt. Die Nachbarparzellen bewirtschaftet Lalou Bize-Leroy für ihre legendäre Domaine d’Auvenay; in solcher Gesellschaft behandelt niemand Aligoté als Beiwerk.
Die Brüder vinifizieren dieselben Trauben auf drei Arten. Direkt gepresst entsteht ein klarer, salzig gespannter Bourgogne Aligoté „Sous-Châtelet“, der mit der dünnen, sauren Karikatur der Sorte nichts gemein hat. Auf der Maische vergoren, wird daraus ein bernsteinfarbener, gerbstoffig griffiger maceré. Und für den Passerillé lassen die beiden die Trauben bis in den Dezember hinein an der Rebe trocknen, bis sie rosinenartig konzentriert sind – eine süße Rarität, die in der halben Flasche abgefüllt wird. Drei Weine, ein Rebberg, eine ganze Vorstellung davon, was Aligoté sein kann.

Im alten Postrelais
Gekeltert wird nicht in der Côte de Beaune, sondern im Familienkeller in Gevrey-Chambertin – einem ehemaligen Relais de Poste, einer alten Poststation. Dort stehen Betoneier neben Holzfässern und Demi-Muids; die Weine reifen ohne Schönung und kommen unfiltriert auf die Flasche. Im Weinberg gilt, was die Eltern vorgelebt haben: Pflug statt Herbizid, biodynamische Arbeit, Handlese, früh begrenzte Erträge.
Bei den Roten zeigt sich, wie schnell die beiden ihr Handwerk beherrschen. Der Auxey-Duresses 1er Cru aus den Lagen Écussaux und Grands Champs wächst auf tonreichem Boden und fünfzig Jahre alten Pinot-Reben – dunkle Frucht, samtiger Griff, und ein Wein, bei dem sich Geduld auszahlt. Der Pommard „Les Vaumuriens“ wiederum bringt die Kraft seiner berühmten Appellation mit, ohne ins Breite zu geraten. Wer einen Beleg dafür sucht, dass eine große Burgunder-Familie im Erbe nicht erstarren muss, findet ihn in diesen Flaschen – jung, klar und mit dem Versprechen, das in jenem hochgestellten Zwei steckt.






