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Matassa

2003 wurde der erste Jahrgang im Wohnzimmer vinifiziert. Heute zählt die Domaine Matassa zu den Ikonen der Natural-Wine-Szene. Tom Lubbe, ein Neuseeländer mit südafrikanischen Wurzeln, lernte bei Gérard Gauby in Calce und heiratete dessen Schwester Nathalie. Auf 20 Hektar uralter Reben entstehen Weine, die durch frühe Ernte selten 12% Alkohol überschreiten. Kein Schwefel seit 2015, keine Filtration, mazerierte Weißweine: In einer Region, die auf Kraft setzt, wählt Tom Lubbe die Frische.
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Das Wohnzimmer, aus dem Kultweine kamen
Als Tom Lubbe 2003 seinen ersten Jahrgang in Flaschen füllte, geschah das buchstäblich im Wohnzimmer. Der Neuseeländer mit südafrikanischen Wurzeln war nach einem Praktikum bei Gérard Gauby in Calce hängengeblieben – an der Region, an den katalanischen Rebsorten, und an Nathalie, Gérards Schwester. Gauby, legendärer Pionier des Roussillon, überließ dem jungen Paar kurzerhand seinen alten Keller. So begann die Geschichte eines Weinguts, das heute zu den meistgefragten Adressen der Natural-Wine-Szene gehört – von Pariser Bistros über Hackney Wine Bars bis zum Noma in Kopenhagen.

Jahrhundertealte Reben zwischen Wald und Kräutern
20 Hektar bewirtschaften Tom und Nathalie heute – verstreut über die Hügel um Calce und Espira-de-l'Agly, oft umgeben von dichter mediterraner Macchia, Zedern, Feigenbäumen und wildem Rosmarin. Die Parzellen tragen Namen wie Romanissa oder El Carner, und viele beherbergen 60 bis 120 Jahre alte Rebstöcke, manche sogar über 100 Jahre. In Vivier, auf 500 bis 600 Metern Höhe, rettete Tom uralte Carignan-Reben vor dem Ausreißen – sie waren zu ertragsschwach für die Kooperative. Die Böden? Schiefer, Mergel, schwarzer Schiefer, schwarzer Mergel. Eine Geologie, die Mineralität in die Gläser schreibt.
Die Zertifizierung durch Ecocert bestätigt, was längst Praxis ist: keine Chemie, dafür Bodenbegrünung, Kompost und geduldige Handarbeit. Tom hat sich auf die Verbesserung der Bodengesundheit spezialisiert. Das Ergebnis lässt sich zählen: Die Regenwürmer sind zurück. Was man nicht zählen kann: wie sehr sich der Geschmack der Weine dadurch verändert hat.

Früher ernten, frischer trinken
Während andere im Roussillon auf Kraft und Reife setzen, erntet Tom Lubbe früh – manchmal beginnt die Lese der Muskateller bereits Anfang August. Das Resultat: Weine mit erstaunlich niedrigem Alkohol. 2005 lagen die Werte bei 13,5%, heute oft bei 10,5%. Keine Marotte, sondern Philosophie: Tom will Weine machen, die er selbst trinken möchte – täglich, ohne Anstrengung, mit Frische statt Wucht.
Im Keller arbeitet er mit allem, was ihm zur Verfügung steht: große Holzfässer, Barriques, Ton, Beton, am liebsten aber Fiberglas – neutraler als Edelstahl, findet er. Die Weißweine werden auf der Maische vergoren – eine Praxis, die Tom seit der 2008er Alexandria pflegt. Bei den Rotweinen setzt er auf Ganztrauben-Infusion, oft gemeinsam mit weißen Trauben vergoren. Filtration? Schönung? Schwefel? Nichts davon – seit 2015 verlässt kein Tropfen SO₂ mehr den Keller.
Ein Lehrer für die nächste Generation
Tom Lubbe hat die Natural-Wine-Bewegung nicht erfunden, aber er hat sie mitgeprägt. Winzer wie Jurgen Gouws von Intellego und Craig Hawkins von Testalonga verweisen auf ihn als Mentor. Was Tom bei Domaine Welgemeend in Südafrika lernte – Spontanvergärung, niedrige Erträge, keine Zusätze –, hat er im Roussillon perfektioniert. In Calce ist er nicht der einzige, der bei Gérard Gauby die Grundlagen lernte: Marjorie Gallet von Roc des Anges fand hier ebenfalls ihren Zugang zu biodynamischem Weinbau.
Wer einen Matassa Rouge öffnet – ob den saftigen Brutal Orange, den tiefen El Carner oder den verspielten Tattouine –, schmeckt keine Etiketten-Philosophie. Sondern Schieferstaub, wilde Kräuter, Rosmarin nach dem Regen. Weine, die das Roussillon zeigen, wie es sein könnte, wenn man der Sonne nicht nachgibt.
























