Journal Portrait — Matassa von Tom Lubbe

Portrait — Matassa von Tom Lubbe

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Wie kommt ein Neuseeländer, der in Südafrika aufgewachsen ist, dazu, ein ikonoklastisches Weingut im Roussillon zu gründen? Das ist nicht gerade alltäglich, aber so ist alles bei Tom Lubbe von der Domaine Matassa. In den späten 90er Jahren arbeitete Tom auf dem einzigen Weingut Südafrikas, das mit Spontantgärung und geringen Erträgen gearbeitet hat. Da er sich für die Arbeit mit mediterranen Rebsorten interessierte, konnte Tom ein dreimonatiges Praktikum auf der legendären Domaine Gauby im Dorf Calce absolvieren. Gérard Gauby freundete sich schnell mit Tom an und bat ihn, für drei aufeinanderfolgende Jahrgänge als Kellergehilfe dabei zu sein. Während dieser Zeit lernte Tom seine Frau Nathalie kennen, die zufällig Gérards Schwester ist.

Die Geburt ihres ersten Kindes veranlasste Tom dazu, die Rückkehr nach Südafrika zu überdenken und stattdessen in Calce zu bleiben, um sein eigenes Weingut zu gründen. Matassa wurde 2003 gegründet, wobei der erste Jahrgang vollständig im Wohnzimmer des frisch verheirateten Paares produziert wurde. Gérard fühlte sich dabei so schlecht, dass er Tom 2004 den alten Gauby-Keller schenkte!

Tom arbeitet mit vielen der traditionellen katalanischen Rebsorten: Carignan, Mourvèdre, Grenache (hauptsächlich Lladonner Pelut, der alte katalanische „Klon“ der Grenache), Grenache Gris, Muscat d’Alexandrie und Muscat de Petits-Grains. Diese Trauben werden oft gemeinsam gepflanzt, insbesondere in den sehr alten Weinbergen. Insgesamt werden 20 Hektar auf Schiefer-, Mergel-, Schwarzschiefer- und Schwarzmergelböden angebaut. Tom bewirtschaftet zwar immer noch einige der sehr ertragsschwachen alten Reben rund um das Dorf Calce, aber er hat sich stark auf andere Gebiete ausgedehnt, wo die Erträge etwas großzügiger sind, typischerweise im Bereich von 25/30 hl/h (immer noch relativ niedrig für die Region).

Die Weinberge werden auf natürliche Weise ohne jegliche chemische Hilfsmittel bearbeitet. Tom ist von Ecocert als biologisch zertifiziert. Und obwohl er gelegentlich biologisch-dynamische Techniken anwendet, um seine Böden zu aktivieren und zu nähren, hat dies im Laufe der Jahre an Priorität verloren. Stattdessen hat eine unerbittliche Hingabe an die Bodendeckung seine Böden und damit auch die Weine völlig verändert. Tom ist davon überzeugt, dass das vermehrte Insektenleben in den Böden, insbesondere Würmer, die Aromen seiner Weine verändert hat, speziell im Hinblick auf die Apfelsäure. Ein weiterer interessanter Effekt: der drastische Rückgang des Alkoholgehalts. Tom hat schon immer viel früher geerntet als die meisten anderen, in der Regel mit dem Muskateller beginnend Anfang August. Im Jahr 2005 erreichten die Weine in der Regel einen Gehalt von 13,5% Alkohol. Im Jahr 2018 kamen sie auf 10,5%.

Auch im Keller hat sich im Laufe der Jahre viel verändert. Alle Weine von Matassa sind jetzt absichtlich als Vin de France deklassiert worden. Wie bereits erwähnt, ist der Alkoholgehalt viel geringer, selten mehr als 12%. Die Weißweine werden alle auf der Haut mazeriert, eine Wahl, die auf den Alexandria 2008 zurückgeht, den ersten Matassa-Wein seiner Art. Bei den Rotweinen geht der Mazeration und Extraktion die Infusion ganzer Trauben voraus, wobei weiße Trauben oft mitvergoren werden. Wenn Eiche verwendet wird, soll sie dem Wein keine Struktur verleihen, sondern Sauerstoff. Die Weine werden ohne Filtration oder Schönung abgefüllt.

Schwefel, den Tom auch in der Vergangenheit mit Bedacht eingesetzt hatte, wurde seit dem Jahrgang 2015 keinem der Weine mehr zugesetzt.