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Lesuffleur

Benoit Lesuffleur, Cidre-Produzent aus der Normandie

Unter der Woche Paris, am Wochenende die Normandie: Benoit Lesuffleur lebt ein Doppelleben, das seinen Cidre prägt. Als Weinagent vertritt er Häuser wie Tarlant und Fourrier, doch seine Leidenschaft gehört den Apfelbäumen seiner Familie im Pays d’Auge. Seit 2012 verwandelt er diese Erfahrung in Cidres von bemerkenswerter Präzision. Drei Jahre Hefelager, spontane Vergärung, biodynamischer Anbau auf Kreide-Feuerstein-Böden. Kühe grasen zwischen hundertjährigen Hochstämmen. Seine Cidres finden sich auf den Karten von L’Arpège und NOMA – dort, wo Genuss zur Entdeckung wird. Nur 15.000 Flaschen pro Jahr, jede einzelne Ausdruck einer stillen Revolution.




Mehr über Lesuffleur

Der Weinagent, der Cidre macht

Wer Benoit Lesuffleur verstehen will, muss seinen Kalender kennen: Montag bis Freitag sitzt er in Paris, besucht Sommeliers und Restaurants, vertritt einige der feinsten Weingüter Frankreichs – darunter Tarlant in der Champagne. Freitagabend steigt er in den Zug nach Caen. Was er bei den Winzern gelernt hat – die Bedeutung des Terroirs, die Präzision im Keller, die Geduld im Ausbau – überträgt er auf die Cidre-Herstellung seiner Familie.

Sein Großvater Roger war der erste Lesuffleur, der Cidre kommerziell verkaufte. Sein Vater Gilbert pflanzte 1996 neue Obstgärten in La Folletière. Benoit selbst kehrte 2012 zurück, um das Familienwerk neu zu interpretieren. Die Inspiration kam von Tarlant: Wenn Champagner so entstehen kann, warum nicht auch Cidre?

Benoit Lesuffleur präsentiert seine Cidres: Friardel, Missùs und La Folletière

Zwei Böden, zwei Charaktere

Die 20 Hektar des Domaine verteilen sich auf zwei distinkte Lagen. In La Folletière dominieren niedrige Stämme über braunem Feuerstein und Kreide – hier wachsen die Äpfel für die gleichnamige Cuvée La Folletière. Der Obstgarten Friardel hingegen beherbergt uralte Hochstämme, manche über hundert Jahre alt: nur 100 bis 150 Bäume pro Hektar, wurzelnd in blauem Feuerstein. Die Cuvée Friardel trägt diese Tiefe in jeder Flasche.

Seit 2012 wirtschaftet Benoit biologisch, mit biodynamischen Praktiken. Kühe von der elterlichen Farm grasen saisonal zwischen den Bäumen, Bienenstöcke fördern die Biodiversität. Keine chemischen Eingriffe, die die Unterschiede der Böden nivellieren könnten.

Drei Generationen in einem Glas

Über 25 historische Apfelsorten wachsen auf dem Domaine – Mettais, Fréquin, Rambeau, Bedan, Binet Rouge. Die Cuveés folgen einer präzisen Logik: säurebetonte Sorten für Frische, bittersüße für Fülle, tanninreiche für Struktur. Nur die besten zehn Prozent der Früchte schaffen es in die Flaschen.

Die Cuvée Pyrrhus erzählt Familiengeschichte: Ein Drittel besteht aus der bitteren Lieblingssorte des Großvaters Roger, ein Drittel aus der sauren des Vaters Gilbert, ein Drittel aus Benoits eigener bittersüßer Präferenz. Geschmackliche Synthese dreier Generationen in einem Glas.

Biodynamische Bewirtschaftung: Kühe grasen zwischen den Apfelbäumen

Geduld als Methode

Nach der Ernte – jeder Apfel von Hand geprüft – vergärt der Most spontan mit wilden Hefen. Die traditionelle Keeving-Methode verlangsamt die Fermentation. Dann Méthode ancestrale: Flaschengärung ohne zugesetzten Zucker. Was folgt, unterscheidet Lesuffleur von fast allen anderen: mindestens drei Jahre Hefelager. Eine Zeitspanne, die selbst ambitionierte Champagnerhäuser respektieren würden.

Das Degorgieren erfolgt von Hand. Die limitierten Mengen – nur 15.000 Flaschen jährlich – sind Konsequenz der Methode. Der Cerqueux Poiré, aus Birnen vom Grundstück des Onkels, zeigt dieselbe Handschrift. Cidres und Poirés, die beweisen: Dieses Getränk kann weit mehr sein als nostalgische Begleitung zu Galettes.

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