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Château La Nerthe

chateau la nerthe alte skizze

In seinem Grand Dictionnaire de Cuisine zählte Alexandre Dumas 1870 die großen Rotweine Frankreichs auf. Der Clos de La Nerthe war darunter der einzige Châteauneuf-du-Pape. Jetzt schöpft Rémi Jean das großartige Potenzial von La Nerthe mit Intuition und beeindruckendem Know-how aus.

Château La Nerthe stellte bereits 1998 auf biologischen Anbau um, ein bewusster Schritt, um an den historischen Ruf anzuknüpfen. Die einzigen zwei Weingüter, die A.-P.-A. de Piis, Hofdichter Ludwigs XVI, besang, waren La Nerthe und Clos de Vougeot.

Wenn man den Gewölbekeller betritt, in dem noch heute die Weine ausgebaut werden, steht man am Anfang des heutigen Guts und der reicht mindestens 460 Jahre zurück. Damals wurde es mit Ländereien, Weingärten, Scheune und Landhaus von einer angesehenen Familie aus Avignon, den Tulle de Villefranche, erworben, in deren Besitz es 300 Jahre blieb.

Der Baubeginn des Schlosses 1736 kündigte ein zunehmendes Interesse der Familie an dem Besitz an, den sie im 18. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Weingüter der südlichen Rhône ausbaute.

Châteauneuf-du-Pape seit 1560

Schon damals wurden die Weine – dank weitreichender Beziehungen der Familie – nach London, Moskau, in die USA, nach Deutschland und Italien exportiert. In Fässern, wie es üblich war. Ab 1782 vermarktete La Nerthe als erstes Gut in Châteauneuf-du-Pape Weine in Flaschen, was für deren Ruhm und Qualität sprach.


Mehr über Château La Nerthe

Nach der Reblauskatastrophe

Als die Reblauskatastrophe die Weinberge vernichtete, erwarb der Abgeordnete Joseph Ducos 1877 das Gut. Schnell begriff er, dass nur das Aufpropfen der eigenen Rebsorten auf resistente amerikanische Unterlagen Rettung bringen konnte. Er pflanzte 10 der 13 heute zugelassenen Rebsorten und inspirierte seinen Nachbarn, den Baron Le Roy de Boiseaumarié, der Châteuneuf-du-Pape 1936 zur ersten Appellation d’Origine Controlée Frankreichs machte. Die Weinhändlersfamilie Richard erwarb das Gut 1985 und hat keine Investitionen – weder in Weinbergen und Gärten, noch in Kellern und Gebäuden – gescheut, um ihm neuen Glanz zu verleihen.

Das Weingut

Der Zufahrtsweg zu Kellergebäuden und Schloss windet sich, von Bäumen gesäumt, lange zwischen den ausgedehnten Weingärten mit ihren faszinierenden, an Brötchen und Brote erinnernden Rollkieseln dahin. 60 von den 92 Hektar Reben von La Nerthe befinden sich um das Château, die übrigen 32 liegen auf dem hoch bewerteten Plateau de La Crau einige hundert Meter oberhalb der Gutsgebäude. Sie sind in 57 Parzellen aufgeteilt, in denen sich – über Terrassen und Hänge verteilt – sämtliche Bodenarten der Appellation finden. Um das Château dominieren Sand-, Mergel- und tonkalkige Böden, reich an typischen Rollkieseln.

gebäudeansicht la nerthe

Auf dem – ganz dem oft heftigen Mistral ausgesetzten – Plateau von La Crau bietet die dichte Tonschicht unter den Rollkieseln dem Grenache beste Bedingungen, um Opulenz und Frische zu vereinen. Mourvèdre verlangt nach feuchteren Böden im südlichen Teil von La Crau, wo er bestens ausreift, doch seine Tannine herausragende Finesse behalten. Syrah passt sich unterschiedlichen Böden an und trägt mit ihren Nuancen zur Komplexität der Weine bei. Aber alle 13 Rebsorten der Appellation wurden gepflanzt. Der Clos de Beauvenir und Les Cadettes sind die beiden historischen Weingärten unterhalb des Château.

Der Clos ist wegen des höheren Kalkanteils weißen Sorten vorbehalten, wobei Roussanne – ergänzt von Grenache Blanc – vorherrscht. Die Cuvée des Cadettes basiert auf den ältesten Rebstöcken des Guts. Die Trauben der um 1935 gepflanzten Grenache-Noir-Reben werden dafür mit kaum weniger alten Syrah und Mourvèdre assembliert. Gutsleiter Rémi Jean setzt ganz auf biologische Methoden – ohne Kunstdünger, Unkrautvernichter, Pestizide und Insektizide –, um bestes Lesegut zu erhalten.

la nerthe weinberge mit grossen kieselsteinen

Minimale Eingriffe

Rèmi Jean legt besonderen Wert auf präzise Reife. In der Praxis bedeutet das: er liest so früh wie möglich. Natürlich nach Parzellen getrennt. Denn die Parzellen werden separat vinifiziert, um die Vielfalt der vier Bodenarten – Sand, Ton, Kalk und Rollkiesel – und der 13 Rebsorten zu erhalten. Die Trauben werden per Hand gelesen und gehen dann über den Selektiertisch. Als erstes Gut in Châteauneuf ging La Nerthe schon zu Beginn der 1800er Jahre dazu über, die Trauben zu entrappen. Dabei ist man geblieben. Je nach Terroir und Qualität der Trauben findet die Gärung in Edelstahltanks oder Holzbottichen statt. Man beginnt mit einer 12 bis 24 Stunden dauernden Kältemazeration, dann folgt die Spontangärung mit Naturhefen. Während der Gärphase findet die Extraktion durch Umpumpen oder Pigeage statt.

Dabei geht es darum, ein Optimum an Aromen, eleganter Tanninstruktur und Finesse zu erhalten. Eine Sache der Verkostung und Intuition. Es folgt eine rund dreiwöchige Maischestandzeit, bevor die Weine in Barriques, Halbstückfässern, Fudern oder Steintanks für den biologischen Säureabbau gefüllt werden. Es schließt sich – immer weiter getrennt nach Parzellen – der zwölfmonatige Ausbau an. Erst, wenn jeder Wein für sich seinen Charakter entwickelt hat, geht Rémi Jean an die Assemblage. Übrigens werden die Weine seit 2001 in eine Flasche mit eigenem Wappen gefüllt, um die Eigenständigkeit von La Nerthe zu betonen.

Zwei weiße und zwei rote Châteauneuf-du-Pape

Nicht viele Weingüter in Châteauneuf-du-Pape verfügen über Weingärten mit den vier wesentlichen Bodenarten der Appellation. Darin beruht Château La Nerthes Stärke. So fangen der weiße und der rote Château-Wein ein Gesamtbild des berühmtesten Crus der südlichen Rhône ein. Allerdings eine eigene Interpretation, bei der zunächst Frucht, Rundheit und Ausgewogenheit bei den beiden Farben den gemeinsamen Nenner ergeben, ohne dabei das Alterungspotenzial zu mindern.

In beiden Fällen stützt sich die Assemblage auf jeweils vier Rebsorten, deren Zusammenspiel viel Harmonie und Finesse garantiert, während die lebendigen Böden Spannung und Energie beitragen.

Spitzencuvées des Châteauneuf

Die beiden historischen Weingärten geben den Weinen einen sehr individuellen Charakter. Während viele Spitzencuvées in Châteauneuf mit einem Plus an Power punkten, bieten die von La Nerthe ein Plus an Finesse und Komplexität. Die gehen auf die Mikro-Terroirs der Parzellen des Clos de Beauvenir und der Cadettes zurück, aber auch auf Sortenwahl und individuell abgestimmte Vinifikation. So zeigt der Clos deutlich mehr Mineralität als der Château blanc, während die Cuvée des Cadettes sich durch eine raffiniertere Tanninstruktur abhebt.

Alle vier Weine zählen zur Spitze, was Châteauneuf-du-Pape zu bieten vermag:
mediterrane Grand Crus, die mit südlicher Wärme und Terroir bedingtem Tiefgang faszinieren und mit zehn und mehr Jahren Flaschenreife in weitere Dimensionen vorstoßen.

familienemblem des weinguts