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Closerie Saint Roc

Zwölf Kilometer von Saint-Émilion entfernt liegt ein ummauertes Weingut, das Geschichte atmet: Hier trafen sich einst englische und französische Soldaten während der mittelalterlichen Aquitanien-Konflikte. Die Closerie Saint Roc in Puisseguin wurde 2013 von Pascal Amoreau wiederbelebt – einem Mann, dessen Familie seit 1610 das legendäre Château Le Puy führt. Auf 16 Hektar Ton-Kalkstein-Böden voller Fossilien entstehen hier biodynamische Weine, die das 400 Jahre alte Weinbau-Wissen der Familie Amoreau mit experimentellem Geist verbinden. Pferde pflügen zwischen den Reben, während Mondzyklen die Dynamisierung des Weins bestimmen.
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Wenn Kultwinzer neues Terrain erobern
Pascal Amoreau hätte es sich einfach machen können. Als 14. Generation der Familie, die das Kult-Weingut Château Le Puy seit über vier Jahrhunderten führt, wäre es verständlich gewesen, bei Bewährtem zu bleiben. Stattdessen erwarb er 2013 ein verwildertes, mittelalterliches Gelände nur einen Kilometer südlich des Familiensitzes. Die Closerie Saint Roc wurde zu seinem Experimentierfeld – einem Ort, wo die jahrhundertealte Familientradition auf geologische Besonderheiten trifft. Die Merlot-Reben wurzeln hier in derselben Asterien-Kalkstein-Ader wie in Pomerol und Saint-Émilion, angereichert mit Fossilien aus urzeitlichen Meeren. Der Closerie Saint Roc 2019 spiegelt diese geologische Komplexität in jedem Schluck wider.

Biodynamik mit Pferdestärken und Mondrhythmus
Während moderne Winzer auf Technologie setzen, vertraut Pascal Amoreau auf Pferde, die zwischen den Reben pflügen. Die 16 Hektar sind vollständig Ecocert und Demeter zertifiziert – eine Philosophie, die auch Château Falfas am rechten Bordeaux-Ufer mit ähnlicher Konsequenz verfolgt. Besonders faszinierend ist die „Dynamisierung“: Nach der Gärung wird der Wein rhythmisch nach Mondkalender gerührt, um seine Energie zu aktivieren. Zwischen den 200 Cassis-Sträuchern, die für Biodiversität sorgen, gedeihen 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Cabernet Sauvignon. Die natürlichen Hefen arbeiten ohne Schwefelzusatz, der fertige Wein bleibt ungeschönt und unfiltriert.

Burgundische Einzellagen-Philosophie im Bordeaux
Was die Closerie Saint Roc von anderen Bordeaux-Gütern unterscheidet, ist die „Climat“-Philosophie wie im Burgund. Jede Parzelle wird separat vinifiziert und als Einzellagen-Wein abgefüllt. Der Les Noyers 2020 stammt von sandigeren Böden mit 80% Merlot und 20% Cabernet Franc, während Les Pins 2020 von Ton-Schluff-Böden kommt und fifty-fifty Merlot und Cabernet Franc vereint. Diese Mikro-Vinifikation ermöglicht es, die subtilen Terroir-Nuancen herauszuarbeiten, die in einem klassischen Bordeaux-Blend verloren gingen. Das durchschnittliche Rebenalter von 35 Jahren verleiht den Weinen zusätzliche Komplexität und Tiefe.
Von Decanter geadelt, von Kritikern gefeiert
Die Weinwelt hat Pascal Amoreaus Vision schnell erkannt. Decanter kürte die Closerie Saint Roc 2020 zu den „Top 10 Bordeaux Producers to Watch“, während Jane Anson das Weingut als „A name to watch“ bezeichnete. Diese Anerkennung kommt nicht von ungefähr: Die Weine verbinden die Eleganz klassischer Bordeaux mit der Lebendigkeit unmanipulierter Naturweine. Bereits für die Zukunft geplant sind experimentelle Anpflanzungen von Chardonnay, Chenin und Sémillon – ein Zeichen dafür, dass Pascal Amoreau die Grenzen des traditionellen Bordeaux weiter ausloten möchte. Sein mittelalterliches Versuchslabor wird damit zum Fenster in die Zukunft des biodynamischen Weinbaus.





