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Artadi




Mehr über Artadi

Der Pago als Kompass

Was Juan Carlos López de Lacalle 1985 als Kooperative in Laguardia begann, ist heute einer der radikalsten Terroiristen Spaniens. Während andere Bodegas im Barrique-Wettstreit nach mehr Holz strebten, ging Artadi in die entgegengesetzte Richtung: weniger Extraktion, französische statt amerikanische Eiche, Finesse statt Kraft. Die 56 Hektar in der Rioja Alavesa – geschützt von der Sierra Cantabria, geprägt von kalkhaltigen, tonreichen Böden – lehrten ihn, dass große Weine nicht im Keller entstehen, sondern auf der Parzelle.

Heute bewirtschaften Juan Carlos und seine Kinder Carlos und Patricia neun Einzellagen, jede mit eigenem Charakter: Viña El Pisón mit seinen 1945 gepflanzten Reben auf 480 Metern Höhe – ein Amphitheater aus Kalk und Kreide, das Parker einmal 100 Punkte wert war. La Poza de Ballesteros mit seinen eisenhaltigen Tonen. Valdegines, El Carretil, San Lázaro – Namen, die man sich merkt.

Viña El Pisón, Artadis legendärer Einzellagen-Weinberg in Laguardia

Burgund als Inspiration, Álava als Heimat

Der Vergleich mit Burgund ist kein Zufall. López de Lacalle studierte die Côte d’Or und verstand: Die Hierarchie muss vom Boden ausgehen, nicht von der Kellertechnik. Seine Tempranillo-Reben – die ältesten über achtzig Jahre alt – wachsen biologisch, die Böden werden teils noch mit dem Pferd bearbeitet. Kein Herbizid, keine synthetische Chemie. Im Keller: offene Gärbehälter für sanfte Extraktion, französische Barriques für Struktur ohne Dominanz.

Der Austritt aus der DOCa 2015 war die logische Konsequenz. Das Reglement verbot selbst die Erwähnung spezifischer Weinberge auf dem Rücketikett – für einen Winzer, dessen gesamte Philosophie auf der Individualität der Lage basiert, ein unmöglicher Zustand. Die Weine werden weiterhin in Laguardia gekeltert, im selben Keller wie seit vierzig Jahren. Nur das Etikett erzählt nun die ganze Geschichte.

Traditionelle Bodenbearbeitung mit Pferd bei Artadi

Drei Projekte, eine Handschrift

Die Suche nach unentdecktem Potenzial führte López de Lacalle über die Grenzen der Rioja hinaus. 1996 übernahm er in Navarra das Weingut Artazu: hundert Jahre alte Garnacha-Reben auf kargen Böden, deren Kraft bis dahin in anonymen Cuvées verschwand. Drei Jahre später folgte El Sequé in Alicante, wo Monastrell auf Kalkstein eine mediterrane Tiefe entwickelt.

Was alle drei Projekte verbindet: der Respekt vor alten Reben, der Verzicht auf Tricks, das Vertrauen in die Lage. Keine Umkehrosmose, keine Mikro-Oxygenierung, keine Überreife für höhere Punkte. Weine, die nach ihrem Ursprung schmecken – ob das nun die kühlen Nächte der Rioja Alavesa sind, die wild-würzige Hitze Navarras oder die salzige Brise Alicantes.

Warum diese Weine wichtig sind

In einer Zeit, in der spanischer Wein noch oft mit überreifen Fruchtbomben gleichgesetzt wird, beweist Artadi, dass es anders geht. Die Weine sind präzise, nicht pompös; elegant, nicht erschöpfend. Sie reifen über Jahrzehnte, ohne in der Jugend zu verschließen.

López de Lacalle hat nicht nur ein Weingut aufgebaut, sondern eine Kategorie definiert: den spanischen Grand Cru. Dass er dafür eine der berühmtesten Appellationen der Welt verlassen musste, sagt vielleicht mehr über das System als über den Winzer.

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