Alle 3 Ergebnisse werden angezeigt
Marangona

Einen Betontank zum Star der Lugana zu machen – das muss man erst einmal schaffen. Marangona, das Weingut von Alessandro Cutolo am Südufer des Gardasees, hat es getan: Der Cemento holte 2025 die Tre Bicchieri des Gambero Rosso. Dreißig Hektar auf kalkhaltigem Ton zwischen Pozzolengo und Sirmione, zertifiziert biologisch seit 2017 – eines von nur acht Bio-Gütern unter 116 Lugana-Produzenten. Alessandros Philosophie lässt sich auf einen Satz reduzieren: so wenig wie möglich eingreifen, damit der See und der Boden das Wort behalten.
Mehr über Marangona
Die Glocke vom Lamberti-Turm
Am Torre dei Lamberti in Verona hängt eine Glocke namens Marangona. Jahrhundertelang rief sie die Zimmerleute der Stadt – die Marangoni im venezianischen Dialekt – zur Arbeit und wieder nach Hause. Der Hof südlich des Gardasees, der ihren Namen trägt, reicht ins späte 17. Jahrhundert zurück: ein lombardisches Gehöft mit Innenhof, in dem seit den Fünfzigerjahren Wein, Mais und Vieh nebeneinander existierten. Die ersten Flaschen unter eigenem Etikett kamen 1973 auf den Markt. Der eigentliche Wendepunkt folgte 2007, als Alessandro Cutolo – Önologe, Vierte Generation – gemeinsam mit seiner Schwester Laura die Leitung übernahm. Was sich danach änderte, war keine Kosmetik: weg vom soliden Regionalwein, hin zu einem der eigenständigsten Ausdrücke, die die Appellation heute kennt.

Kalkton und Seewind
Dreißig Hektar erstrecken sich über die Gemeinden Pozzolengo, Sirmione und Peschiera – mitten im historischen Herzen der Lugana DOC, keine achthundert Meter vom See entfernt. Der Boden ist kalkhaltiger Ton, schwer und mineralreich, der klassische Untergrund der besten Lugana-Lagen. Der Gardasee wirkt wie ein thermischer Puffer: tagsüber reflektiert er Wärme, nachts strömt kühle Luft von den Bergen herab. Turbiana – die lokale Spielart des Trebbiano, verwandt mit dem Verdicchio der Marken – dankt es mit einer Kombination, die in der Weinwelt selten ist: reife Frucht bei straffer Säure. Die ältesten Reben auf dem Gut sind über fünfzig Jahre alt, mit Wurzeln, die tief in den Kalkton greifen. Doppelbogen-Erziehung, dichte Begrünung zwischen den Zeilen, rund 100.000 Flaschen pro Jahr – ausschließlich aus eigenen Trauben.
Beton, Ton und die Kunst des Weglassens
Alessandro fasst seine Philosophie in einem Satz zusammen: „Ich will so wenig wie möglich tun, um meine Idee des Weins auszudrücken.“ In der Praxis heißt das: spontane Vergärung mit wilden Hefen, kein biologischer Säureabbau, kein Holz, keine Restsüße zum Ausbalancieren, minimaler Schwefel. Der Ausbau erfolgt in Edelstahl und Beton – und genau der Beton hat alles verändert. Der Cemento vergärt auf der Maische in nicht glasierten Betontanks, reift zehn bis zwölf Monate auf der Feinhefe und ruht weitere sechs Monate in der Flasche. Das Ergebnis – texturiert, mineralisch, mit Noten von weißem Pfirsich, Salbei und zerriebener Kreide – holte 2025 die Tre Bicchieri des Gambero Rosso. Parallel experimentiert Alessandro mit Terrakotta-Amphoren für einen Orange Wine aus Turbiana, der drei Monate Schalenkontakt bekommt – ein Ansatz, den Elisabetta Foradori am Nordende des Gardasees für ihren Nosiola perfektioniert hat.

Acht von hundertsechzehn
Von den 116 Produzenten der Lugana DOC arbeiten gerade einmal acht zertifiziert biologisch. Marangona gehört seit 2017 dazu – nachdem Alessandro ab 2012 experimentiert und festgestellt hatte, dass die Traubenqualität mit dem Verzicht auf Synthetik stieg. Hohes Gras zwischen den Zeilen hält Krankheitsdruck niedrig, recycelte Materialien und leichtere Flaschen ergänzen das Konzept: Ökologie als Gesamtansatz, nicht als Marketinglabel. Der TreCampane – benannt nach den drei Glocken des Lamberti-Turms – vereint früh und spät gelesene Turbiana von fünfunddreißig Jahre alten Reben, sechs Monate Hefelager in Edelstahl. Er zeigt, was Lugana jenseits des Alltagsweins sein kann: komplex, lagerfähig, mit einem Trinkfenster von zehn Jahren und mehr. Der Marangona Lugana als Einstieg bringt die Seele des Guts auf den Punkt: Mandel, Zitrus, Kräuter und eine salzige Mineralität, die nach einem weiteren Glas verlangt.



