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Enric Soler (Cal Raspallet)

Enric Soler gilt als der eiserne Ritter des Xarel·lo. Eine Resborte, die solo betrachtet häufig unter ihren Möglichkeiten auftritt. Meist ist sie in der Cuvée eines Cavas versteckt oder (wie so häufig in der Vergangenheit) mit zu viel Holz völlig überschminkt.

Aus seiner Zeit als erfolgreicher Sommelier hat Enric die Erkenntnis gewonnen und das Potenzial des Xarel·lo erkannt. Heute ist er zwar nicht mehr als Sommelier tätig, gibt jedoch sein Wissen als Lehrkraft an die nächste Generation weiter. In seiner katalonischen Heimat, im Penedès, erbte er von seinem Großvater einen Weinberg samt kleinem Bauernhaus. Dieses nutzt er heute als Wohnsitz und für den Weinausbau seines kleinen Weinguts.

Das kleine Schmuckstück von Enric Soler

Mit gerade mal knapp unter drei Hektar und 6000 Flaschen Jahresproduktion ist klein vielleicht sogar untertrieben. Auf Cal Raspallet, so der Weingutsname, befindet sich wohl die älteste Xarel·lo-Anlage dieser Erde. Mit bald 80 Jahren stehen dort eindrucksvolle, uralte Reben auf kargen, kalkhaltigen und sandigen Böden. Der Weinberg – Vinya dels Taus – heißt aus dem katalanischen übersetzt so viel wie „Weinberg der Maulwurfshügel“. Denn er ist in manchen Phasen tatsächlich übersäht damit. Den alten Reben birgt dies keine Gefahr. Die Wurzeln ragen tief in den Boden, so dass die Reben perfekt mit Nährstoffen versorgt werden können. Im Hintergrund hat man einen phänomenalen Blick auf das zerklüftete Gebirge des Montserrats. Das Mittelmeer als warmer, mäßigender Klimafaktor liegt auch in Reichweite.

Önologisch beraten wird Enric durch keine geringere als Ester Nin. Das weltberühmte Clos Erasmus sowie ihr eigenes Weingut Nin-Ortiz sorgen im nahe gelegenen Priorat für großes Aufsehen. Gemeinsam haben die beiden die letzten Jahre auch genutzt, um am Ausbau zu experimentieren. So fanden auch Amphoren und Betonei ihren Platz in seinem kleinen Keller. Seit 2005 bewirtschaftet er seine Weinberge nach den Richtlinien der Biodynamie.

Weinstile von Cal Raspallet

Bis auf eine Ausnahme im Cuvée Istiu ist es ein rebsortenreines Weingut. Darin findet etwas aromatischer Malvasia Einzug. Sein Improvisacio wird zum Teil in den Betoneiern und mit Maischekontakt ausgebaut. Eine Charge aus gebrauchten Eichenholzfässern bringt Frische in diesen sonst sehr lebhaften Wein. Ausladend und vielschichtig in seiner Textur.

Der Espenyalluchs verzichtet auf das Betonei und fokussiert sich ausschließlich auf ein puristisches und mineralisches Mundgefühl. Die alten Reben mit niedrigen Erträgen liefern die Basis für seinen Top-Wein Nun Vinya dels Taus. Man kann dies durchaus als die Benchmark dieser Rebsorte bezeichnen. Der Nun wird nach der Vergärung im neutralen Gebinde für 8 Monate zur Hälfte in neuen 300l-Fässern sowie zur anderen Hälfte in gebrauchten gelagert. Komplexität und Frische zugleich.

In der Regel sind die Bewertungen der einschlägigen Führer wie Wine Advocate oder Guia Penin sehr hoch und die Bestände rasch ausverkauft. Der Wein liefert eine fast salzige, kühle Mineralität. Er besticht durch Eleganz und Tiefgründigkeit bei großem Lagerpotenzial. Ein paar Flaschen im Keller zum Reifen schaden definitiv nicht.

Text und Weinexpertise: Marian Henß.