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Matthias Planchon

Matthias Planchon – Winzer in Sancerre

Wer den Namen Planchon trägt, trägt Verantwortung. Seit 1573 bewirtschaftet die Familie Weinberge in Sancerre, und ein Vorfahre schrieb Weingeschichte: Jules Émile Planchon entdeckte 1868 die Reblaus und rettete mit seiner Lösung – der Pfropfung auf amerikanische Unterlagen – den europäischen Weinbau vor dem Untergang.

Matthias Planchon wuchs zwischen diesen Reben auf. Er lernte bei Alphonse Mellot in Sancerre und bei Geantet-Pansiot im Burgund, bevor er 2012 die Familienlagen übernahm. Sieben Jahre später, 2019, füllte er seinen ersten eigenen Jahrgang ab. Sein Keller liegt mitten im Lieu dit „Le Paradis“ – ein Name, der auch seinen Spitzenwein ziert. Was Matthias als „l’eau de roche“ beschreibt, Steinwasser, prägt alle seine Weine: eine mineralische Salzigkeit, die von Silex und Kalkstein erzählt.




Mehr über Matthias Planchon

Ein Erbe, das verpflichtet

Am 15. Juli 1868 kniete Jules Émile Planchon bei Saint-Martin-de-Crau im Weinberg und untersuchte die Wurzeln kranker Reben. Was er fand, sollte die Weinwelt für immer verändern: die Reblaus. Seine Lösung – europäische Edelreiser auf resistente amerikanische Unterlagen zu pfropfen – rettete Millionen Hektar Weinberge vor der Vernichtung.

Matthias trägt dieses Erbe mit Bedacht. Die 5,5 Hektar auf zehn Parzellen gehören seit Generationen der Familie, und er bewirtschaftet sie seit 2018 biodynamisch. Er hat es nicht eilig. Lieber wächst er langsam und sorgfältig, als Kompromisse einzugehen.

Weinberge von Matthias Planchon in Sancerre

Mineralität, die man schmecken kann

„L’eau de roche“ nennt Matthias den Charakter seiner Weine – Steinwasser. Die Böden erklären, was er meint: Zur Hälfte Silex im Lieu dit Perruches, zur anderen Hälfte Oxford-Kalkstein in der Lage Le Paradis. Die Sauvignon-Blanc-Reben sind fünfzig Jahre alt und wurzeln tief. Ein Hektar Pinot Noir in Les Herses liefert Rotweine von burgundischer Eleganz.

Der Sancerre blanc „Le Paradis“ stammt von noch älteren Reben – 55 Jahre – und bringt diese mineralische Präzision besonders klar zum Ausdruck: stahlig und kühl, zugleich seidig vom langen Hefelager.

Zeit als Zutat

Während andere Winzer nach sechs Monaten abfüllen, nimmt sich Matthias doppelt so viel Zeit. Seine Weißweine reifen ein volles Jahr auf der Feinhefe in Edelstahl und großen Holzfässern, dann noch einmal ein Jahr in Stahl. Der Sancerre blanc „Les Herses“ 2021 lag sogar achtzehn Monate auf der Hefe.

Die Rotweine folgen einem ähnlichen Rhythmus: ein Jahr in Keramiktanks und kleinen Barriques, dann ein weiteres Jahr in Stahl. Das Ergebnis überzeugt. Der Sancerre rouge „Les Herses“ verbindet saftige Kirschfrucht mit feinen, geschliffenen Gerbstoffen – und zeigt, was Pinot Noir an der Loire leisten kann.

Keller von Matthias Planchon im Lieu dit Le Paradis

Ein kleines Burgund

Matthias sieht in Sancerre ein „kleines Burgund“ – eine Region, die Terroir-Unterschiede ebenso präzise abbilden kann. Deshalb vinifiziert er jede Parzelle separat und füllt ausschließlich lagenbezogene Weine ab. Mit nur 22.000 Flaschen im Jahr gehört er zu den kleinsten Erzeugern der Appellation.

Seine Philosophie bringt er auf einen einfachen Satz: „Gesunde Reben für Weine mit Charakter.“ Wer die mineralische Klarheit von Claude Riffault schätzt, findet in Matthias Planchon einen Geistesverwandten.

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