Lebendige Weine Magazin Tement – Jahrgangsbericht 2019

Tement – Jahrgangsbericht 2019

tement im faskeller des weinguts

Die Südsteiermark konnte sich in der letzten Zeit qualitativ über einige sehr schöne Jahrgänge freuen, doch 2019 dürfte die Jahre davor noch einmal toppen. Wenn man die Weine aus 2017 und 2018 Revue passieren lässt, kann man zwar den Eindruck bekommen, dass das bei Tement eigentlich schwer möglich ist, aber wenn man sich dann durch 2019 probiert, wird einem bewusst, dass es noch komplexer, noch eleganter und noch lebendiger werden kann. 2019 ist so etwas wie die Quintessenz aus den beiden Vorgängerjahren.

blick von den weinbergen von tement

Jahresverlauf

Nach einem gemäßigten Winter begann der Jahresverlauf im Weinberg mit einem zeitlich idealen Austrieb zwischen Ende April und Anfang Mai. Der Mai war warm, es gab keine Fröste, und die Stimmung war gut, bis im Juni viel Regen kam und man Eindruck hatte, dass der ganze Monat feucht bleiben würde.

Der Pilzdruck stieg rasant, und das ganze Team war pausenlos im Einsatz. Wirklich entspannt wurde es erst Mitte August; denn erst da war es beständig warm. Was auch immer vorher passiert, die eigentliche Güte eines Jahrgangs entscheidet sich erst im Herbst, und Mitte September hingen bildschöne Trauben am Stock. Doch die erste Woche der Lese „war zum Abgewöhnen“, wie es Armin Tement formulierte: „Regen und Nässe haben uns herausgefordert. Wir haben im Weinberg viel wegschneiden müssen. Nach diesem bescheidenen Start hatten wir aber lange Zeit richtig viel Glück mit dem Wetter.“ Für einen Herbst in der Südsteiermark blieben die Temperaturen ausgesprochen niedrig. Nachts lagen sie um die 2 °C, tagsüber waren es kaum mehr als 15 °C. Dadurch bleiben die Säurewerte perfekt bis zum 19. Oktober, an dem die letzten Trauben ins Weingut kamen.

Der Jahrgang im Keller

Wegen der nahezu perfekten recht hohen Säurewerte haben sich die Tements entschlossen, ein bisschen stärker mit der phenolischen Struktur der Weine zu spielen; sprich, sie haben die Standzeiten teils deutlich verlängert. Maischestandzeiten bringen zwar mehr Grip und Festigkeit wie auch Struktur in die Weine, aber sie fressen Säure. In warmen Jahren muss man dabei sehr aufpassen, in 2019 konnten sich die Tements beim Welschriesling, dem Weißburgunder und Chardonnay sechs statt sonst drei, beim Sauvignon Blanc sogar 18 statt 12 Stunden leisten – bei abgebeerten Trauben.

Wie sonst auch, wurden die einzelnen Partien langsam für rund vier Stunden gepresst und die Weine nach dem Ansetzen in die einzelnen Gebinde gegeben. Kein Wein wurde vor der Füllung geschwefelt. Erst kurz vorher gab es eine kleine Menge Füllschwefel.

Vorher aber durften die Weine rund zwei Jahre auf der Feinhefe bleiben, wo sie auch eine malolaktische Gärung mitmachten. Fast alle Weine wurden in größeren oder kleineren mehrjährigen und meist neutralen Holzfässern ausgebaut. Lediglich der Gelbe Muskateller reifte nur im Edelstahl.

„Wein entlang einer Linie“ heißt der Wahlspruch der Tements. Diese Linie kann man 2019 wieder sehr gut erkennen. Die Handschrift ist klar, der große Aufwand nachvollziehbar, um ein Ergebnis zu erzielen, das trotz großer Kraft und Komplexität immer wieder spielerisch leicht wirkt.

Die Charakteristik des Jahrgangs 2019 bei Tement

Wenn Armin Tement die letzten drei Jahrgänge vergleicht, dann beginnt er gerne mit dem Paradewein: „Beim Zieregg Sauvignon Blanc war 2017 brutal straight mit deutlicher Säure und auch präsenter Gerbstoffstruktur. 2018 hatte viel mehr Schmelz und Frucht, weil die Trauben eine höhere Reife in sich trugen. 2019 hat eine etwas höhere Säure als 2017, die Tannine sind so streng wie bei 2018, aber die 2019er zeigen sich wesentlich feiner, haben mehr Eleganz, sie sind komplexer und verspielter als die beiden anderen Jahrgänge.“

Diese Typizität zieht sich tendenziell durch alle Weine, wobei man den Grassnitzberg noch mal deutlich hervorheben kann, da die kühle Lage einen auch für 2019 sehr linearen, hellen, fast drahtigen Wein hervorgebracht hat, in dem aber eine immense Kraft und Tiefe schlummert. Der Morillon Zieregg steht dem Zieregg Sauvignon Blanc kaum nach in der seiner Komplexität und Kargheit, während der Morillon Rossberg und der Morillon Sulz jetzt schon viel einladender wirken. Diese Offenheit, die leichte Wärme und die intensivere Frucht finden sich auch im Weißburgunder Sulz.

Herausragende Beispiele für die Klasse, die der Welschriesling erreichen kann, sind der Veithansl und erst recht der Weinstock. Was für Charakterweine! Da wird die Maischstandzeit auch noch mal offensichtlicher; denn der Welsch zeigt sie mit deutlicher Phenolik und einem gewissen Vin-Naturel-Charakter. Dabei gibt es viel Salzigkeit – ein Ergebnis der längeren Maischestandzeit, die alle Weine positiv prägt und mit großem Trinkfluss auflädt. Ebenfalls mehr als bemerkenswert, ja unbedingt entdeckungswürdig sind der Gelbe Muskateller und der Gewürztraminer. Beide sind jung schon echte Spaßmacher. Doch das ist nur die Oberfläche. Man merkt ihnen das Potential an, das noch in ihnen schlummert, das die Weine aber spielend über die nächsten zehn Jahre bei zunehmender Komplexität tragen wird. Schließlich präsentieren die Tements noch einen Parzellenwein aus dem slowenischen Teil des Weinguts. Der Ciringa Pruh (sprich: Pruch) vom reinen Korallenkalk wurde nach ebenfalls langer Maischestandzeit für 66 Monate ins Fass gelegt und glänzt mit vibrierender Energie, tiefer Frucht, feiner Würze und dem für einen Ciringa typischen Oberton von Feuerstein.

Exklusiv: «Zeitspiel 4»

Schließlich gibt es noch den exklusiv für unseren Deutschlandimporteur abgefüllten Wein aus der Serie Zeitspiel zu vermelden. Der Zeitspiel 4 ist der nächste Sauvignon Blanc Late Release nach dem Zeitspiel 2. Während der Zeitspiel 2 so etwas wie ein Gutswein Late Release aus 2017 war, ist der Zeitspiel 4 ein lang gelagerter Ortswein vom Muschelkalk-Terroir aus Ehrenhausen. Der 2017er Jahrgang, weiter oben schon als sehr straight beschrieben, profitiert immens von der vierjährigen Lagerung im Holz, Edelstahl und auf der Flasche. Das Pure und Lineare bleibt, aber es kommt der immense Charme hinzu, den ein Sauvignon Blanc aus der Südsteiermark zweifelsohne besitzen kann.

tement zeitspiel sauvignon blanc spätfüllung

Text und Weinexpertisen: Christoph Raffelt


Probierpakete Jahrgang 2019 von Tement