
1883 pfropfte Émile Marguet alle seine Reben auf amerikanische Unterlagen – Jahre bevor die Reblaus die Champagne erreichte. Man hielt ihn für verrückt, zwang ihn zum Ausreißen. Der Bankrott folgte. Als die Phylloxera 1890 doch kam, war es zu spät für eine Rehabilitierung. Heute, fünf Generationen später, ist Champagne Marguet wieder da: Benoît bewirtschaftet 10 Hektar Grand Cru in Ambonnay und Bouzy – biodynamisch, mit Pferden statt Traktoren, Demeter-zertifiziert seit 2013.
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Mehr über Marguet
Das Experiment eines Teenagers
Als Benoît noch zur Schule ging, verdünnte er heimlich die Pestizide seines Vaters auf halbe Stärke. Er wollte sehen, was sie eigentlich bewirkten. Die Reben überlebten – und die Erkenntnis blieb: Man braucht das Zeug nicht. 2005 übernahm er das Weingut, 2008 kam die Bio-Zertifizierung, 2009 die vollständige Umstellung auf Biodynamie mit Phytotherapie und Aromatherapie. Brennnesseltees statt Fungizide, Schachtelhalmspritzungen statt Kupfer. Seit 2013 trägt das Weingut das Demeter-Siegel – wie nur eine Handvoll Häuser in der Champagne, darunter Lacourte-Godbillon im nahen Écueil. Was Benoît von anderen unterscheidet: Er experimentierte nicht als Winzer, sondern als Kind. Die Rebellion kam vor der Verantwortung.

Titan und Urban
Seit 2010 haben Traktoren in Ambonnay nichts mehr zu suchen. Zwei Kaltblüter – Titan und Urban – pflügen die Weinberge, lockern den Boden, ohne ihn zu verdichten. Die Reben danken es mit Wurzeln, die tiefer graben, mit Trauben, die konzentrierter reifen. Was nach Romantik klingt, ist knallharte Überzeugung: Maschinen zerstören die Bodenstruktur, Pferde erhalten sie. Benoît arbeitet seit 2006 mit Hervé Jestin zusammen, dem ehemaligen Kellermeister von Duval-Leroy – ein Berater, der homöopathische Methoden auch in den Keller gebracht hat. Die Kombination aus Pferden im Weinberg und Homöopathie im Keller klingt esoterisch, zeigt aber Ergebnisse: Die Weine haben eine Lebendigkeit, die aus der Tiefe kommt.
Grand Cru aus sechs Lagen
Die 10 Hektar verteilen sich auf 8 Hektar Grand Cru: 7,3 in Ambonnay, 0,7 in Bouzy. Die Lagen tragen Namen wie Les Beurys, Les Crayères, Le Parc, Les Bermonts, Les Saints Rémys – jede mit eigenem Charakter, jede einzeln vinifiziert. 58 Prozent Pinot Noir, 42 Prozent Chardonnay, Durchschnittsalter über 40 Jahre. Die Böden sind reiner Kreidekalk, die Exposition nach Süden und Südosten optimal. In Bouzy kommen noch die Lagen Les Loges und Les Hannepes dazu – kleine Parzellen, die Benoît von Familienmitgliedern gepachtet hat. Wer einen Shaman oder Sapience im Glas hat, schmeckt nicht nur Ambonnay – er schmeckt die Parzelle.

Brut Nature als Prinzip
Dosage? Nur im Notfall. Die meisten Cuvées von Marguet sind Brut Nature – null Gramm Zucker, null Kompromisse. Der Shaman als Einstieg zeigt schon die Handschrift: präzise, straff, mit einer Mineralität, die an nassen Kalkstein erinnert. Die Sapience – Benoîts philosophisches Statement – ist der erste Bio-zertifizierte Champagner überhaupt gewesen und reift jahrelang auf der Hefe. Die Einzellagen-Champagner sind Terroir-Manifeste: Jede Parzelle wird separat vinifiziert, spontan vergoren, ohne Dosage gefüllt. Benoît produziert keine Champagner für den schnellen Schluck – er produziert Champagner, die man studieren kann.
