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Orchis

300.000 Schnecken und ein Keller nach antikem Vorbild – beim Domaine des Orchis in der Haute-Savoie ist nichts gewöhnlich. Philippe Héritier war Bankmanager, bevor er 2006 alles hinwarf. Heute bewirtschaftet er fünf Hektar an steilen Hängen bei Frangy, wo Altesse und Mondeuse auf Gletschermoräne wachsen. Die Weine reifen 18 Monate in einem hexagonalen Keller, den er nach dem goldenen Schnitt bauen ließ – inspiriert vom Theater von Epidaurus. Sterneköche wie Marc Veyrat und Jean Sulpice gehören zu seinen Kunden.
Mehr über Orchis
Vom Banker zum Bauern: Ein radikaler Neuanfang
Ein Zitat aus Ridley Scotts „Christopher Columbus“ hängt im Verkostungsraum: „Das Leben hat mehr Fantasie als unsere Träume.“ Philippe Héritier lebte es vor. Der ausgebildete Agraringenieur machte Karriere bei der Crédit Agricole, bis ihn ein Führungskräfte-Seminar zum Nachdenken brachte. Er wollte nicht mehr. Sein Großvater war Winzer in Frangy, sein Vater Schneckenzüchter – Philippe vereinte beides. 2006 rodete er verwaiste Steilhänge und pflanzte die autochthonen Rebsorten Altesse und Mondeuse. Die Quintessence d’Altesse zeigt, was in diesen vergessenen Terroirs steckt: Akazienblüten, Jasmin und eine elektrisierende Mineralität.

Der Keller als Gesamtkunstwerk
Wer den Keller betritt, spürt sofort: Hier stimmt etwas. Philippe arbeitete mit einem Architekten und Geobiologen zusammen, um einen hexagonalen Raum nach dem goldenen Schnitt zu erschaffen. Die Inspiration kam aus Griechenland – das antike Theater von Epidaurus mit seiner perfekten Akustik. Philippe glaubt, dass diese Proportionen auch den Wein beeinflussen. Die Fässer – ursprünglich ebenfalls nach dem goldenen Schnitt konstruiert – ruhen hier 18 Monate. Keine Eile, keine Kompromisse. Nur wilde Hefen, minimaler Schwefel und Kräutertees für die Reben.
Mondeuse: Die unterschätzte Alpensorte
Während alle Welt nach Pinot Noir und Syrah schielt, kultiviert Philippe eine Traube, die seit Jahrhunderten in den Alpen heimisch ist. Seine Quintessence de Mondeuse widerlegt das Vorurteil, Savoyer Rotweine seien dünn und rustikal. Sechs Monate Maischekontakt geben ihr Tiefe und Struktur, ohne die alpine Frische zu ersticken. Wer nach ähnlich eigenständigen Weinen aus Bergregionen sucht, wird beim Domaine Grand im benachbarten Jura fündig.

Schnecken, Sterne und Bescheidenheit
Nebenbei züchtet Philippe noch 300.000 Schnecken pro Jahr – Gros-gris, gefüttert mit Klee, Flachs und Senf. Die gleiche Akribie, die gleiche Philosophie: Qualität vor Quantität. Es ist diese Haltung, die Sterneköche wie Marc Veyrat, Jean Sulpice und Yoann Conte überzeugt hat. Philippe nennt sich selbst lieber Bauer als Winzer. Er dynamisiert das Wasser für seine Schnecken und behandelt seine Reben mit biodynamischen Präparaten. Ein Träumer? Vielleicht. Aber einer, dessen Weine in den besten Restaurants der Alpen stehen.



