Weinbrief ·
Preise und Verfügbarkeit: Stand 11. Oktober 2025
Hallo,
Syrah ist eine Rebsorte der Extreme. An steilen Granithängen der nördlichen Rhône zeigt sie sich pfeffrig-mineralisch und fordert Geduld. In der Hitze des Roussillon kann sie bei nur 10% Alkohol transparent und trinkfreudig daherkommen. Auf dem Schiefer des Priorat kämpft sie ums Überleben und liefert dennoch unverzichtbare Struktur.
Diese Wandlungsfähigkeit macht Syrah zur vielleicht spannendsten roten Rebsorte unserer Zeit.
Die DNA-Analyse von 1998 beendete alle romantischen Legenden: Syrah stammt nicht aus Persien, sondern ist eine Kreuzung der fast vergessenen südostfranzösischen Sorten Dureza und Mondeuse Blanche. Ihre dickschaligen Beeren mit hohem Anthocyan-Gehalt erklären die tintenschwarze Farbe und das enorme Alterungspotential. Entscheidend ist jedoch, wo und wie sie wächst.
Nördliche Rhône: Maison Stephan
Syrah VdF 2022 - Die neue Eleganz
Jean-Michel Stephan ist ein Extremist im besten Sinne. Seit 1997 arbeitet er komplett ohne Zusätze – kein Schwefel, keine Reinzuchthefen, nichts. Seine 2,5 Hektar verteilt auf Lagen um Condrieu, Verin und Roussillon bewirtschaftet er biodynamisch.
Dieser Syrah überrascht mit nur 12,5% Alkohol – ein Statement gegen die Kraftmeierei moderner Weine. Schattenmorelle und Sauerkirsche, Holunderbeere trifft auf feuchten Waldboden, mediterrane Kräuter wie Rosmarin und Wacholder, dazu ein Hauch dunkle Schokolade. Am Gaumen säurebetonte, präzise Frucht mit seidigem Fluss. Ein Paradebeispiel für den neuen, trinkfreudigen Stil der nördlichen Rhône. (24,50 €)
Nördliche Rhône: Domaine du Coulet
Cornas "Billes Noires" 2020 - Granit in Reinform
Matthieu Barret, der "Kleine Bär" von Cornas, hat 2006 alle Holzfässer abgeschafft. Seitdem reift sein Wein ausschließlich in Betoneiern und Keramik-Amphoren.
"Billes Noires" (Schwarze Murmeln) zeigt intensive dunkle Beeren, schwarze Kirschen und Brombeeren, unterlegt mit schwarzem Pfeffer, Veilchen und dezenten Röstnoten. Am Gaumen kraftvoll und konzentriert mit festen Tanninen. Die für Cornas typische Mineralität der Granitböden durchzieht den gesamten Wein. Mit nur 13% Alkohol bewahrt er eine bemerkenswerte Eleganz. (99,00 €)
Südliche Rhône: Domaine de Marcoux
Châteauneuf-du-Pape rouge 2019 - Biodynamische Eleganz
Sophie Armenier war 1990 eine der Pionierinnen der Biodynamie in Châteauneuf-du-Pape. Ihr Châteauneuf stammt aus 13 verschiedenen Parzellen mit unterschiedlichen Bodentypen.
Dieser Wein explodiert förmlich: schwarze Feigen, wilde Brombeeren, süße Himbeeren und Blutorangen, dazu Veilchen und Provence-Kräuter, feines Leder und Pfeffer. Am Gaumen mundfüllend mit samtiger Textur – die 16% Alkohol sind perfekt eingebunden. Die Syrah im Blend liefert das Rückgrat und die dunklen Gewürznoten. (50,50 €)
Roussillon: Domaine Matassa
Tommy Ferriol 2024 - Revolution im Glas
Tom Lubbe aus Neuseeland hat das Unmögliche geschafft: In der Hitze des Roussillon erntet er Syrah bei nur 10% potentiellem Alkohol durch radikale Bodenarbeit.
Dieser Wein (70% Syrah, 30% Muscat) ist ein Paradigmenwechsel. Nach nur vier Tagen Ganztraubengärung zeigt er transparente Granatfarbe, rote Johannisbeeren, Walderdbeeren, frische Kräuter und Rosenblätter. Mit seinen 10,5% Alkohol ist das ein "Vin de Soif" – ein Durstwein, der die Leichtigkeit eines Beaujolais mit der Komplexität der Syrah verbindet.
Priorat: Clos i Terrasses
Laurel 2020 - Schiefer trifft Syrah
Daphne Glorian gibt offen zu: "Syrah ist ehrlich gesagt grenzwertig im Priorat." Trotzdem pflanzt sie 15% Syrah für ihren Laurel, gezielt auf kühlere Nordhänge.
Dieser Laurel zeigt faszinierende Transparenz: Blaubeeren, Brombeeren, Cassis und Schwarzkirschen, dazu Zimt, Grafit, Rosenblüten und ein Hauch schwarzer Tee. Der Syrah zeigt sich mit Zwetschgen und schwarzer Oliventapenade. Mit 15% Alkohol kraftvoll, aber niemals schwer. (49,50 €)
Die Lehre der Syrah
Was diese fünf Weine zeigen: Große Syrah entsteht nicht durch Extraktion und Kraft, sondern durch das Verstehen von Spannung – zwischen Struktur und Eleganz, zwischen Konzentration und Trinkbarkeit, zwischen Tradition und Innovation.
Die Zukunft gehört Winzern, die verstehen, dass Syrahs natürliche Intensität Zurückhaltung statt Verstärkung braucht. Ob auf dem Granit der Rhône, dem Schiefer des Priorat oder in der überraschenden Frische des Roussillon – außergewöhnliche Syrah spricht immer zuerst vom Ort, dann erst von der Rebsorte.
Santé und herzlich aus Berlin,
Maria und das Team von
Lebendige Weine
P.S.: Syrah braucht das richtige Glas. Das Zalto Universal 2er-Set lässt die unterschiedlichen Charaktere dieser Weine perfekt zur Geltung kommen – vom filigranen Matassa bis zum kraftvollen Cornas.