← Alle Weinbriefe  ·  Zum Shop  ·  Weinbrief abonnieren

Weinbrief ·

Aligoté

Preise und Verfügbarkeit: Stand 19. Oktober 2025

Wenn Aschenputtel zur Prinzessin wird: Wie Aligoté aus dem Schatten des Chardonnay tritt.  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌

 

Hallo,

Aligoté war das Aschenputtel des Burgunds. Während Chardonnay die Grand Crus besetzte, fristete ihre Schwester ein Dasein auf steinigen Kuppen und windigen Ecken. Der einzige, zweifelhafte Ruhm: als Basis für Kir, diesen süßlichen Aperitif der Nachkriegszeit. Doch wer heute die besten Aligotés verkostet, erlebt eine Offenbarung: Weine von vibrierender Energie, messerscharfer Präzision und einer Mineralität, die durch Mark und Bein geht.

Die Abstammung überrascht nicht: Pinot Noir kreuzte sich mit Gouais Blanc – dieselbe Liaison, die uns Chardonnay schenkte. Doch während die glamouröse Schwester nach Kalifornien und Australien jettet, bleibt Aligoté dem Burgund treu. Ihre dünnere Schale, ihre nervöse Säure, ihre Affinität zu Kalkstein – all das macht sie zur perfekten Übersetzerin karger Terroirs.

Château de Béru
Die mit der rauen Kante
Athénaïs Bourgogne Aligoté AOC 2022

Athénaïs de Béru macht keine Kompromisse. Ihr Aligoté von den Kimmeridge-Kalken ist so mürb-kantig wie die Klippen von Dover.

Der erste Schluck überrascht: Da ist diese feinkörnige Phenolik, die sich anfühlt wie Katzenzunge auf der Haut. Vollreife Quitten treffen auf Rauch und hellen Tabak, weißer Pfeffer durchzieht das Ganze wie ein roter Faden. Im Abgang explodiert Limettenabrieb, unterlegt von Meersalz. Kein Schmeichler, sondern ein Wein, der Haltung zeigt. Für Textur-Liebhaber. (31,50 €)

Athénaïs AmalGamay VdF 2022

Gamay mit Aligoté zu verschneiden ist wie Jazz mit Kammermusik zu mischen – es sollte nicht funktionieren, tut es aber grandios.

Waldhimbeeren tanzen mit Kampfer, Kräutertinktur umspielt schwarzen Pfeffer. Die feine Gär-Kohlensäure prickelt wie statische Elektrizität auf der Zunge. Das ist kein Wein, das ist ein Kaleidoskop, das sich mit jedem Schluck neu formiert. Die anarchische Liaison (27,00 €)

Rémi Jobard
Der Aligoté-Maximalist
Bourgogne Aligoté "En Buzigny" Vieilles Vignes 2022

Jobard macht aus 70 Jahre alten Aligoté-Reben etwas, das selbst Meursault-Snobs verstummen lässt. Seine 600-Liter-Fässer geben dem Wein Raum zum Atmen, ohne ihn zu ersticken.

Im Glas ein Feuerwerk: Apfelblüten kollidieren mit Litschi, grüne Aprikosen mit nasser Kreide. Der Gaumen ist ein Kraftakt – nicht laut, sondern intensiv wie ein Flüstern in der Stille. Der Säurebogen spannt sich wie ein gotischer Kirchenbogen, die salzige Mineralität kriecht den Gaumen hinauf. Das ist Aligoté auf Steroiden – im besten Sinne. Die Neuerfindung der Präzision. (45,01 €)

A. et P. de Villaine
Der Hüter der genetischen Schatzkammer

Bouzeron blanc AOC 2023

Aubert de Villaine hätte es sich als Miteigentümer von Romanée-Conti gemütlich machen können. Stattdessen kämpfte er seit 1971 für Bouzeron – heute die einzige AOC, die ausschließlich Aligoté gewidmet ist.

Seine Aligoté Doré-Stöcke wurzeln in steilen Ost- und Südosthängen auf hauchdünnen Oxfordium-Kalkböden – dem gleichen Untergrund wie Teile von Corton-Charlemagne. Die ältesten Reben stammen von 1910, kurz nach der Reblaus-Katastrophe gepflanzt. Durch akribische Massal-Selektion bewahrte de Villaine 17 verschiedene Biotypen dieser 115 Jahre alten Genetik. Das Ergebnis schmeckt nach purem Kalkstein: Zitronenzeste auf Austernschale, grüne Birne mit Meersalz bestreut. Die Säure schneidet wie ein Skalpell, die Mineralität hallt nach wie ein Echo in einer Kathedrale. Das ist Aligoté als lebendiges Archiv. Wenn 115 Jahre alte Reben sprechen, schweigen die anderen. (35,00 €)

Boris Champy
Der Höhenrausch-Winzer

Bourgogne Aligoté Doré, Sélection Massale 2023

Champy kultiviert Aligoté Doré – die goldene Mutation, die fast ausgestorben war. 10.000 Stöcke pro Hektar auf 400 Meter Höhe: Das ist Weinbau am burgundischen Limit.

Akazienblüten verschmelzen mit Heckenkirschen, gelbe Pflaumen umspielen Pfirsichhaut. Die späte Lese brachte Reife ohne Schwere. Am Gaumen gleitet der Wein wie Seide über Stein – glatt, aber mit Widerstand. Das dezente Holz ist nur eine Umarmung, kein Würgegriff. Gold aus der Höhe. (25,00 €)

Jérôme Galeyrand
Der Aperitif-Intellektuelle
Bourgogne Aligoté "Alligotay" 2022

"Alligotay" – schon der Name zeigt Galeyrands Spielfreude. Bei bescheidenen 12% Alkohol beweist er: Größe misst sich nicht in Promille.

Grüner Apfel trifft auf Limettenschale, weiße Blüten umschweben Feuerstein. Die Säure ist keine Attacke, sondern eine Einladung zum nächsten Schluck. Das ist Aligoté als Aperitif-Kunstwerk – nicht banal erfrischend, sondern intellektuell anregend. Leichtfüßige Brillanz (27,50 €)

Thomas-Collardot
Der Perlage-Architekt
Crémant de Bourgogne Brut Blanc 2022

In der klassischen Crémant-Cuvée ist Aligoté das Salz in der Suppe – unverzichtbar für die burgundische DNA.

Die Perlage steigt auf wie Morgennebel über der Saône. Grüner Apfel und Zitronenzeste treffen auf den Hauch von Brioche, den die Flaschengärung hinterlässt. Die Säure ist das Rückgrat, die Mineralität das Fundament. Kein Champagner-Klon, sondern stolz burgundisch. Aligoté lernt tanzen. (31,00 €)

Die Wiederentdeckung der Brillianz

Diese Aligotés lehren uns: In einer Welt überextrahierter, überreifer Weine ist Säure und Spannung keine Schwäche, sondern eine Tugend. Die besten Exemplare vibrieren vor Energie, spannen den Gaumen wie einen Bogen, hinterlassen ein Prickeln, das noch minutenlang nachhallt.

Die Aligoté-Renaissance ist die Rückbesinnung auf das, was Burgund groß macht: Weine, die vom Boden erzählen statt vom Keller, die Spannung suchen statt Gefälligkeit, die lieber herausfordern als langweilen.

→ Alle Aligoté-Weine entdecken

 

Santé und herzlich aus Berlin,

David und das Team von
Lebendige Weine

 

P.S.: Aligoté verlangt nach Präzision im Glas. Das Zalto Universal bringt die elektrisierende Säure und kristalline Mineralität optimal zur Geltung – vom phenolischen Griff des Béru bis zur seidigen Eleganz des Champy.