← Alle Weinbriefe  ·  Zum Shop  ·  Weinbrief abonnieren

Weinbrief ·

Sechs Unbekannte

Preise und Verfügbarkeit: Stand 30. August 2025

Kennen Sie Timorasso? Furmint? Nein? Dann wird's Zeit. Sechs Rebsorten, die ich gern probiert habe.  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌

Hallo,

haben Sie schon mal von Furmint, Timorasso oder Mencía gehört?
Meine Lieblingsweine dieses „Sommers" stammen alle von Rebsorten jenseits von Charderlo & Co. Sechs von ihnen stelle ich heute vor.

Lambrusco – Italiens missverstandener Schäumer

Lambrusco hat ein Imageproblem. Die meisten kennen nur die süßliche Supermarktware. Dabei zeigen Winzer wie Cinque Campi, was diese uralte Rebsorte aus der Emilia-Romagna wirklich kann: trocken, würzig, lebendig.

Der Fuorleggero Rosato 2022 ist eine Offenbarung: Fenchelsaat trifft auf geröstete Haselnüsse, Koriander tanzt mit Wacholder, dazu diese packende Säurestruktur. Die Frucht? Dezent im Hintergrund. Stattdessen dominieren Würze und Kräuter – Majoran, Salbei, Thymian. Ein Frizzante, der zu Mortadella passt, aber auch solo fasziniert. Das ist der Lambrusco, von dem die Emilianer träumen.

Furmint – Ungarns vergessene Größe

Furmint kennen die meisten nur aus süßen Tokajern. Dabei kann diese Rebsorte so viel mehr. Trocken ausgebaut zeigt sie Muskeln und Finesse zugleich.

Der Hidden Treasures Nr.1 von Moric beweist es: Mandelmarzipan trifft auf Bratapfel, getrocknete Kräuter tanzen mit Akazienhonig – aber alles knochentrocken. Die kreidige Mineralität erinnert daran, dass hier vulkanische Böden sprechen. Ein meditativer Wein, der Zeit braucht und Zeit gibt.

Blaufränkisch – Der verkannte Held

Blaufränkisch (oder Lemberger, wie unsere schwäbischen Freunde sagen) ist Österreichs Antwort auf die Frage: Was wäre, wenn Syrah und Pinot Nior ein Kind kriegen würden? Dunkle Beeren, schwarzer Pfeffer, vulkanische Würze.

Heinrichs Leithaberg DAC 2019 ist ein Lehrstück dieser Sorte: Brombeeren und Kirschen verschmelzen mit Feigennoten, feinkörnige Tannine geben Struktur ohne Härte. Ein Wein mit „zügeloser Saufigkeit", wie die Österreicher sagen würden – ernst gemeint und als höchstes Kompliment.

Mencía – Spaniens fließende Seide

Aus den kühlen Höhen des Bierzo kommt Mencía – Spaniens Antwort auf Merlot, nur wilder, würziger, eigensinniger.

Sangaridas Pico Tuerto 2021 zeigt die ganze Bandbreite: Transparentes Rubinrot versteckt knackige Sauerkirschen, florale Noten und diese kühle, steinige Mineralität der atlantischen Winde. Über 100 Jahre alte Reben auf 600 Metern Höhe – das schmeckt man in jedem Schluck. Seidig, aber mit Biss.

Timorasso – Piemonts Phoenix

Timorasso war fast ausgestorben. Eine Handvoll Winzer hat diese piemontesische Weißweinsorte gerettet. Zum Glück. Denn Timorasso macht Weißweine, die reifen wie große Rotweine.

Viettis Derthona 2023 ist der Beweis: Nasser Kalkstein trifft auf weiße Blüten, Zitrus tanzt mit Kamillenhonig. Die salzige Mineralität und kühle Säure versprechen ein langes Leben.

Bonus: Gemischter Satz – Die Un-Sorte aus Wien

Gemischter Satz ist keine einzelne Rebsorte, sondern eine Philosophie. Verschiedene Trauben wachsen gemeinsam im Weinberg – ein lebendiges Durcheinander, wie Wien selbst. Gemeinsam gepflanzt, gemeinsam geerntet, gemeinsam vergoren. Die Wiener haben diese jahrhundertealte Tradition vor dem Aussterben bewahrt.

Hajszan Neumanns Version vom Nussberg zeigt, warum das gut war: Zitrusfrische trifft auf grünen Apfel, dazu diese typisch wienerische Würze und knackige Mineralität. Das alles für einen schmalen Schilling. Die perfekte Begleitung zum Wiener Schnitzel.

Lust alle sechs Weine zu probieren? Hier geht's zum befüllten Warenkorb.

 

Herzlich aus Berlin,

David und das Team von
Lebendige Weine

PS: Noch mehr Joker? Wir führen über 220 verschiedene Sorten in unserem Sortiment – von Albariño bis Zweigelt.