Weinbrief ·
Preise und Verfügbarkeit: Stand 18. Juli 2025
Hallo,
Neulich in Berlin-West beim Italiener meines Vertrauens. Ein ambitionierter Immobilienmakler am Nebentisch bestellt einen Franciacorta. „Der Champagner Italiens!", erklärt er seinem Begleiter. Ich nippe an meinem Glas und schmunzle.
In meinem Glas: auch ein Schaumwein aus der Franciacorta. Aber kein Franciacorta.
Verwirrt? Willkommen in der Welt von Antonio Tornincasa und Flavio Faliva. Die beiden machen Schaumweine, die so gut sind, dass man ihnen die Appellation verweigert hat. Zu komplex, hieß es. Zu eigenständig.
Sie haben "Danke" gesagt und sind gegangen.
Der Wind der Veränderung
Cà del Vént – das Haus der Winde. Schon der Name verrät, dass hier ein anderer Wind weht. Während die großen Franciacorta-Häuser ihre Reben in der Ebene kultivieren, arbeitet sich Antonio durch steile Terrassen auf 380 Metern Höhe. Kalk, Ton, schwerer Lehm. Winde, die beständig über die Hügelkämme fegen.
2015 hatte die Verkostungskommission ihre Chance. Antonios Schaumweine lagen vor ihnen. Die Prüfer kosteten und runzelten die Stirn. "Zu üppig. Zu komplex. Kommen Sie nächstes Jahr wieder."
Antonio ist nie wiedergekommen.
Was macht man anders, wenn man alles anders macht?
700 Gramm Trauben pro Stock. In der Ebene ernten sie das Dreifache. 56 Monate Hefelager. Mindestens. Die Großen bringen ihre Weine nach 18 Monaten auf den Markt. Pas operé. Kein Gramm Zucker beim Degorgieren. Nur der eigene Wein zum Auffüllen.
Das klingt nach Details für Weinnerds? Vielleicht. Aber der Unterschied ist spürbar. Ein industrieller Franciacorta schmeckt gefällig und vorhersagbar. Cà del Vént schmeckt nach dem Ort, von dem er kommt. Nach Wind und Wetter. Nach Zeit.
Die Weine, die keine sein dürfen
Der MFPC – ein Code mit Poesie. 60% Pinot Noir, 40% Chardonnay, 56 Monate auf der Hefe. Ein Wein mit Charakter.
Der Pensiero – reiner Chardonnay, 46 Monate Hefelager. Der "kleine" Bruder, der alles andere als klein ist.
Blanc de Blanc & Blanc de Noir – beide aus 2017, beide 59 Monate gereift. Die Antwort auf die Frage: Was wäre, wenn?
Das Missverständnis
"Franciacorta ist der Champagner Italiens", sagt man oft. Franciacorta ist Franciacorta. Und genau das ist das Problem. Die Region hat sich in eine Schublade manövriert. Süßlich-cremig, ein bisschen Brioche, vorhersagbar.
Cà del Vént zeigt: Es geht anders. Diese Weine fordern Aufmerksamkeit. Sie erzählen von einem Ort, an dem es zu windig ist für Kompromisse. Zu steil für Maschinen. Zu klein für Industrielogik.
Manchmal ist das beste Label das, was man nicht trägt.
Falls Sie Lust auf Schaumwein haben, der nach dem Wind der Veränderung schmeckt – hier.
Herzlich aus Berlin,
Mitya und das Team von
Lebendige Weine
P.S.: Die Ironie der Geschichte? Inzwischen pilgern Sommeliers aus ganz Italien nach Cellatica. Um zu verstehen, was Franciacorta sein könnte.
P.P.S.: Serviertemperatur: 8-10 Grad. Nicht eiskalt. Diese Weine haben etwas zu sagen. Ideal ist das Weißweinglas von Zalto. Kriegen Sie auch bei uns.