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Weinbrief ·

Jurassic Wine

Preise und Verfügbarkeit: Stand 20. September 2026

Ist das Fass halbvoll oder halbleer? Domaine Grand mit sechs spektakulären Weinen aus dem Jura.  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌

Hallo,

im Keller der Domaine Grand geht alle drei, vier Tage jemand von Fass zu Fass und füllt Wein nach. Durchs Holz verdunstet immer etwas, und wo im Fass Luft steht, leidet der Wein. So macht man das in jedem guten Keller, nur selten so oft. Ein paar Meter weiter liegen Fässer, die seit sechs Jahren niemand aufgefüllt hat, und das ist Absicht.

In diesen Fässern wird der Wein langsam weniger, und auf seiner Oberfläche wächst eine dünne Schicht Hefe. Im Jura heißt sie „voile“, übersetzt Schleier. Sie hält die Luft ab, und gleichzeitig verändert sie den Wein. Nach ein paar Jahren riecht er nach Walnuss und Bockshornklee. So entsteht der Vin Jaune, der berühmteste Wein des Jura.

Das Dorf heißt Passenans und hat gut dreihundert Einwohner. Seit 1692 macht dort dieselbe Familie Wein, Nathalie und Emmanuel Grand sind die zehnte Generation. 2015 haben sie rund zehn Hektar aus dem Betrieb seiner Eltern herausgelöst und noch einmal von vorn angefangen. Biologisch arbeiten sie seit 2018, das Siegel kam drei Jahre später. Der Guide Hachette hat die beiden zu Winzern des Jahres 2020 gewählt. Sie machen beides, aufgefüllte Weine und Weine unter dem Schleier. Es sind dieselben zwei Rebsorten und derselbe Keller.

Chardonnay 2025 · Savagnin 2025 · Tradition 2022 · Savagnin 2019 · Château-Chalon 2015 · Vin de Paille 2015

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Wir haben sechs Weine zu einem Paket zusammengestellt. Zwei sind aufgefüllt, in einem steckt beides, und zwei lagen unter dem Schleier, vier und sechs Jahre lang. Der sechste ist ein Strohwein, das ist im Jura der dritte Weg.

Aufgefüllt: der Chardonnay

Die Reben stehen in Passenans auf rotem Mergel und sind fünfundzwanzig bis vierzig Jahre alt. Der Wein liegt ein Jahr in alten Burgunderfässern. Das jüngste ist fünf Jahre alt, neues Holz schmeckt man hier nirgends. Alle drei Tage füllt jemand nach. Davon macht das Haus rund fünftausend Flaschen im Jahr.

Domaine Grand Côtes du Jura Chardonnay 2025

Côtes du Jura Chardonnay 2025

Chardonnay · Côtes du Jura · ca. 23 €

Er riecht nach Apfel und Birnenschale, dahinter geröstete Haselnuss. Im Mund ist er rund und trotzdem straff, und hinten wird er salzig. Der kommt zuerst auf den Tisch, gut gekühlt. Dazu gebratene Forelle.

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Nathalies Weinberg

Nathalie Grand kommt aus Montigny-lès-Arsures, einem Winzerdorf bei Arbois. Mit zwanzig hat sie dort mit ihren Eltern einen Hektar Savagnin gepflanzt. Der Hang schaut nach Süden, der Boden ist grauer Mergel. Heute macht sie den Wein daraus zusammen mit ihrem Mann. Er heißt wie die Parzelle, En Guille Bouton, und es gibt davon rund fünfzehnhundert Flaschen im Jahr. Savagnin ist die Sorte, aus der man Vin Jaune macht. Diese Fässer füllen sie nach. So schmeckt Savagnin, wenn keine Hefe darauf liegt.

Domaine Grand Arbois Savagnin En Guille Bouton 2025

Arbois Savagnin „En Guille Bouton“ 2025

Savagnin · Arbois · ca. 34 €

Er riecht nach Zitrone und grünem Apfel, dazu ein bisschen Fenchel. Im Mund ist er rund, aber die Säure hält ihn gerade, und am Ende schmeckt man grüne Nüsse. Dazu Jakobsmuscheln in brauner Butter.

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Zwei Stile in einer Flasche

In der Cuvée Tradition stecken zwei Drittel Chardonnay, der Rest ist Savagnin. Den Chardonnay lassen sie drei Jahre im Tank und füllen ihn auf. Der Savagnin liegt dieselben drei Jahre im alten Fass unter dem Schleier. Erst einen Monat vor der Füllung kommen die beiden zusammen. Wer noch nie einen Wein unter dem Schleier getrunken hat, fängt am besten hier an.

Domaine Grand Côtes du Jura Cuvée Tradition 2022

Côtes du Jura Cuvée Tradition 2022

Chardonnay, Savagnin · Côtes du Jura · ca. 35 €

Er riecht nach eingemachtem Pfirsich und Honig, dahinter Walnuss und etwas Harz. Im Mund ist er saftig und hat Griff. Der Chardonnay macht ihn weich, der Savagnin würzig. Wir würden ein Käsefondue dazu machen.

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Vier Jahre unter dem Schleier

Das ist reiner Savagnin, und er lag vier Jahre im Fass, ohne dass jemand nachgefüllt hat. Die Trauben kommen aus Saint-Lothain, von einem halben Hektar am Südwesthang. Bei uns heißt er Vin de Voile, Wein unter dem Schleier. Für einen Vin Jaune hätte er länger liegen müssen. Gemacht wird er genauso. Den Jahrgang 2018 haben Sie uns im Sommer leergekauft, ganz ohne Newsletter.

Domaine Grand Côtes du Jura Savagnin Vin de Voile 2019

Côtes du Jura Savagnin Vin de Voile 2019

Savagnin · Côtes du Jura · ca. 51 €

Die vier Jahre sieht man ihm an, er ist goldgelb. Er riecht nach Walnuss, Unterholz und getrockneten Früchten. Im Mund ist er trocken und dicht, mit einer Säure, die ihn frisch hält, und er bleibt lange. Trinken Sie ihn nicht zu kalt, dreizehn Grad sind richtig. Dazu lang gereifter Comté, mehr braucht es nicht.

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Château-Chalon

Château-Chalon ist ein Dorf und zugleich die angesehenste Appellation des Jura. Unter diesem Namen darf nur Vin Jaune verkauft werden, und nur aus Savagnin. Jedes Jahr geht vor der Lese eine Kommission durch die Reben. In vier Jahrgängen seit den Siebzigern gab es gar keinen Château-Chalon.

Die Grands haben in dieser Appellation siebzig Ar, das ist ungefähr ein Fußballfeld. Der Weinberg liegt im Nachbardorf Ménétru-le-Vignoble. Der Boden ist grauer Mergel aus der Jurazeit. Das Erdzeitalter hat seinen Namen von diesem Gebirge. Die Reben sind über fünfundvierzig Jahre alt und stehen nach Süden. Gepflügt wird dort mit dem Pferd. Der Wein liegt ein Jahr im Tank und dann sechs Jahre in alten Fässern. Niemand füllt auf. Das Gut rechnet damit, dass in dieser Zeit vierzig Prozent verdunsten. Am Ende bleiben rund zweitausend Flaschen. Die Flasche heißt Clavelin und fasst 62 Zentiliter. Der älteste Clavelin, den man kennt, stammt von 1774.

Domaine Grand Château-Chalon En Beaumont 2015

Château-Chalon „En Beaumont“ 2015

Savagnin · Château-Chalon · 62 cl · ca. 67 €

Er riecht nach Walnuss, gesalzenen Haselnüssen und Currygewürz. Im Mund ist er trocken, kräftig und salzig, und er hört lange nicht auf. Öffnen Sie ihn zwei bis vier Stunden vorher. Dazu Huhn mit Morcheln in Rahm. Das ist das Gericht der Gegend.

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Der dritte Weg: Strohwein

Für den Vin de Paille legen die Grands die Trauben nach der Lese zum Trocknen aus, drei bis vier Monate lang. Vorgeschrieben sind sechs Wochen, und heizen darf man dabei nicht. Aus den geschrumpften Beeren kommt wenig Saft, und der ist sehr süß. Danach reift der Wein noch mindestens drei Jahre, bei den Grands im kleinen Eichenfass. Er kommt in der halben Flasche, und die reicht nach dem Essen für sechs.

Domaine Grand Côtes du Jura Vin de Paille 2015

Côtes du Jura Vin de Paille 2015

Strohwein · Côtes du Jura · 0,375 l · ca. 41 €

Süß ist er, aber er klebt nicht. Er riecht nach getrockneter Aprikose, Honig und kandierter Orange, dahinter Mokka und schwarzer Tee. Die Säure ist lebendig und hält die Süße in Schach. Servieren Sie ihn kalt, bei acht Grad. Er passt zu Blauschimmelkäse und zu dunkler Schokolade.

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Womit fangen Sie an?

Stellen Sie die sechs in der Reihenfolge auf den Tisch, in der sie oben stehen. Der Chardonnay kommt kühl ins Glas, die Weine unter dem Schleier deutlich wärmer. Beim Château-Chalon sind sechzehn Grad richtig, das ist fast Zimmertemperatur. Direkt aus dem Kühlschrank schmeckt er nach wenig. Nehmen Sie Ihr größtes Weißweinglas. Der Strohwein kommt zum Schluss und kalt. Und Sie müssen nicht alles an einem Abend schaffen. Ein angebrochener Château-Chalon hält im Kühlschrank mehrere Tage.

1× Chardonnay 2025 → aufgefüllt, der Einstieg
1× Savagnin En Guille Bouton 2025 → Nathalies Weinberg
1× Cuvée Tradition 2022 → zwei Stile in einer Flasche
1× Savagnin Vin de Voile 2019 → vier Jahre unter dem Schleier
1× Château-Chalon 2015 → sechs Jahre nicht aufgefüllt
1× Vin de Paille 2015 → der Strohwein zum Schluss

Jura-Paket
6 Weine · Domaine Grand · ca. 252 € →

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Wir haben zurzeit neun Weine der Domaine Grand. Den Savagnin En Guille Bouton gibt es auch aus 2023, mit zwei Jahren mehr in der Flasche, ebenfalls für ca. 34 €.

Alle Weine der Domaine Grand ansehen →

Herzliche Grüße aus Berlin,

Lisa und das Team von
Lebendige Weine

P.S.: Ein Château-Chalon hält Jahrzehnte. Wenn Sie einen zum Weglegen suchen: Wir haben auch den 2017er und den 2018er, beide für ca. 85 €.

BUDGET-WEIN DER WOCHE

Cirelli Montepulciano d’Abruzzo 2025

Montepulciano d’Abruzzo 2025, Cirelli

Montepulciano · Abruzzen · ca. 12 €

Neu in unserem Brief: jede Woche ein Wein für wenig Geld, den wir selbst gern trinken. Diesmal ein Montepulciano d’Abruzzo von Francesco Cirelli. Sein Bio-Hof liegt bei Atri in den Abruzzen, zwischen den Rebzeilen grasen Gänse. Montepulciano ist meistens ein schwerer Wein. Cirelli lässt den Most nur acht Tage auf den Schalen und baut den Wein in Amphoren aus Terrakotta aus. Er riecht nach dunklen Kirschen und Pflaume, dazu etwas Veilchen. Im Mund ist er saftig, und das Tannin ist weich. Leicht gekühlt zu Pasta mit Lammragout.

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