Es gibt ein Verkostungsformat, das wir seit einiger Zeit mögen: sechs Gläser, sechs verschiedene Weine einer Rebsorte, nichts anderes.
Diesmal: Grüner Veltliner.
Ein Sekt, der 42 Monate auf der Hefe lag. Ein leicht trüber, ungefilterter vom Wiener Nussberg. Einer aus dem Kamptal, gewachsen auf Urgesteinsverwitterung. Ein Wagramer, dessen Boden aus Muschelschalen des Paratethysmeeres besteht. Einer, der neun Tage in einer georgischen Tonamphore vergoren hat. Und ein Einzellagenwein aus Sankt Georgen, den Roland Velich ausbaut, als wäre er ein Puligny-Montrachet.
Wer die sechs nebeneinander probiert, erkennt kaum noch, dass es dieselbe Rebsorte ist. Grüner Veltliner ist gerade in seiner stilistisch breitesten Phase — breiter als in den Smaragd-Jahren der Neunziger, breiter als in der Zeit der großen Kellerbauten um 2010. Amphorenwein, Sekt, Naturwein, Grand-Cru-Imitat: alles gleichzeitig, alles ernst gemeint.
Sechs Winzer, die diese Spannweite sichtbar machen. Von der Donau bis ans Pannonische Becken.