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Weinbrief ·

Die treulose Sorte

Preise und Verfügbarkeit: Stand 16. August 2026

1395 ließ ein Herzog von Burgund diese Rebsorte ausreißen. Sechs Flaschen auf ihrer Spur, am besten leicht gekühlt.  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌

Hallo,

im Juli 1395 unterschrieb Philipp der Kühne, Herzog von Burgund, ein Dekret gegen eine Rebsorte. Der Gamay sei ein „sehr schlechtes und sehr treuloses“ Gewächs, stand darin, und sämtliche Stöcke im Herzogtum seien auszureißen.

Das eigentliche Vergehen stand gleich mit im Dekret. Der Gamay trug zu viel. Er lieferte mehr und verlässlicher als der heikle Pinot Noir, die Bauern pflanzten lieber ihn, und der Herzog fürchtete um den Ruf seiner Weine. Ausreißen ließ sich der Gamay aber nur dort, wo der Herzog regierte. Das Hügelland zwischen Mâcon und Lyon gehörte ihm nicht, dort stand der Gamay längst, und dort wurde er, was Burgund nie in ihm gesehen hatte: hell, duftig und federleicht.

Gut sechshundert Jahre später dreht sich die Geschichte um. In den Hautes-Côtes de Beaune baut Boris Champy wieder reinsortigen Gamay aus, in Meursault entsteht ein Passe-tout-grains ohne ein Milligramm zugesetzten Schwefel, am Rand von Chablis wird Gamay mit weißem Aligoté verschnitten, und in Vosne-Romanée steht er im Keller einer Familie, die auch Grands Échézeaux abfüllt. Burgund holt sich die Sorte zurück, die es einst hinauswarf. Sechs Flaschen zeichnen diesen Weg nach.

Juliénas · Saint-Amour · Hautes-Côtes · Meursault · Chablis · Vosne-Romanée

Ein Klick legt alle sechs Flaschen auf einmal in Ihren Warenkorb. Dort können Sie einzelne Flaschen tauschen, weglassen oder aufstocken, es ist ein Vorschlag, kein geschlossenes Set.

Romanesca

Die Zwillingsbrüder Antoine und Olivier Chastel haben den elterlichen Betrieb übernommen und sofort auf Bio umgestellt. Von Fleurie aus bewirtschaften sie gemeinsam mit Oliviers Frau Lucrèce Parzellen in vier Crus und verschneiden nichts davon. Jede Parzelle wird einzeln gelesen und einzeln ausgebaut, damit man schmeckt, wo sie liegt.

Les Fouillouses liegt nordwestlich des Ortskerns von Juliénas, auf dem dunklen Gestein, das hier pierre bleue heißt. Die Stöcke darauf sind rund siebzig Jahre alt und stehen frei erzogen im Gobelet.

Romanesca Juliénas Les Fouillouses 2020

Juliénas „Les Fouillouses“ 2020

Gamay · Beaujolais · ca. 21 €

Veilchen und Flieder über Süßkirsche und Himbeere, darunter feuchte Erde und Moos, das Ganze in transparentem Granatrot. Der Gaumen klar und druckvoll, mit Süßholz, feinem Gerbstoff und einer salzigen Spur im Finale.

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Bret Brothers

Jean-Philippe und Jean-Guillaume Bret machen an ihrer Domaine im Mâconnais eigentlich Weißwein. Seit 2001 kaufen sie unter dem Namen Bret Brothers Trauben zu, ausschließlich von bio-zertifizierten Betrieben oder solchen in Umstellung. In der Zen-Linie halten sie es im Keller genauso. Keine Schönung, keine Filtration, so wenig Schwefel wie möglich.

Ihr Saint-Amour wächst am Hang Côte de Besset, dem höchsten Punkt der nördlichsten Cru-Gemeinde des Beaujolais, 380 Meter, direkt an der Grenze zu Juliénas. Gelesen wurde am 7. September 2023, als ganze Trauben, danach zehn Monate in gebrauchten Barriques. Im fertigen Wein stecken weniger als zehn Milligramm Schwefel pro Liter, ein Zehntel dessen, was die EU selbst Bio-Rotwein zugesteht. Saint-Amour liegt übrigens als einziger Cru vollständig in Saône-et-Loire, und in den Nachbargemeinden wächst bereits Saint-Véran. Die Weinberge Burgunds beginnen direkt hinter dem Ortsrand.

Bret Brothers Saint-Amour Côte de Besset Zen 2023

Saint-Amour „Côte de Besset“ Zen 2023

Gamay · Beaujolais · ca. 35 €

Sehr helles, fast durchsichtiges Karmesinrot. Lavendel und Blutorange zuerst, dann rote Beeren, Kirsche und ein Hauch Zimt. Das Tannin seidig, die Säure lebendig, hinten Lakritz und ein roter Fruchtkern, der bleibt.

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Boris Champy

Hinter der Côte de Beaune, gut hundert Meter höher, beginnen die Hautes-Côtes. Boris Champy kam über das Napa Valley und den Jakobsweg hierher und übernahm eine Domaine, die seit 1984 biodynamisch arbeitet, nach eigenen Angaben als erste in Burgund mit Demeter-Zertifikat. Durch die Höhe reifen seine Trauben eine Woche später als unten an der Côte, was den Weinen in warmen Jahren sehr entgegenkommt.

Ganz verlassen hat der Gamay Burgund übrigens nie. Jahrhundertelang war der gemischte Satz mit dem Pinot sein Versteck, seit 1937 trägt dieses Gespann eine eigene Appellation, den Bourgogne Passe-tout-grains, über 30 Prozent Pinot Noir, mindestens 15 Prozent Gamay. Champys Etikett wiederum sagt Coteaux Bourguignons, und dort ist der Gamay Hauptsorte. Er füllt ihn pur ab, aus sehr alten Reben, vermehrt aus den eigenen Stöcken.

Boris Champy Coteaux Bourguignons Gamay Fin 2023

Coteaux Bourguignons „Gamay Fin“ 2023

Gamay · Hautes-Côtes de Beaune · ca. 27 €

Saftige Kirsche, Walderdbeere und Zwetschge, dazu Pfeffer, Unterholz und eine Idee Sattelleder. Am Gaumen knackig und präzise, Salz und Pfeffer im Nachhall, dahinter die kühle Höhe der Hautes-Côtes.

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Rougeot Père & Fils

Weiter nach Meursault. Pierre-Henri Rougeot beendete 2016 das Supermarkt-Geschäft, von dem die Domaine seines Vaters lebte. Heute bewirtschaftet er rund 13 Hektar biologisch, vinifiziert alles ohne zugesetzten Schwefel und entscheidet erst bei der Füllung Fass für Fass: Was stabil genug ist, kommt ganz ohne unter ein diagonal gestreiftes Etikett. Sein Gut gehörte einst den Hospices de Beaune, der Urgroßvater kaufte es ihnen ab. Der Passe-tout-grains des Hauses wächst in der Lage Les Vercherres in der Côte de Beaune.

Rougeot Père & Fils Passetoutgrain Les Vercherres Sans Sulfite Ajouté 2022

Passetoutgrain „Les Vercherres“ Sans Sulfite Ajouté 2022

Pinot Noir & Gamay · Côte de Beaune · ca. 33 €

Aus dem warmen Jahrgang 2022, trotzdem schlanke 12 % Vol. Kristallklar und ungeschminkt, saftige Kirsche und Himbeere, ein Zug Veilchen und Pfeffer, das Tannin seidig. Ohne Schwefel abgefüllt, und nichts daran wackelt.

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Château de Béru

Von Meursault aus ein weiter Sprung, hinauf an den nördlichen Rand Burgunds. Am Rand von Chablis, wo sonst nur Weißwein zählt, führt Athénaïs de Béru das Weingut ihrer Familie, biodynamisch, auf rund 300 Metern über Kimmeridge-Kalk, samt der Monopollage Clos Béru. Ihr Roter heißt AmalGamay, und der Name verrät die Mischung: Gamay, verschnitten mit weißem Aligoté. In keine Appellation passt das, also läuft er als Vin de France.

Château de Béru Athénaïs AmalGamay

Athénaïs „AmalGamay“ VdF 2023

Gamay & Aligoté · Chablis · ca. 28,50 €

Saftige rote Beerenfrucht über feiner mineralischer Spannung, dem kühlen Kalk der Gegend. Spontan vergoren und im Keller so wenig wie möglich angefasst, mit seidigem Griff und 13,5 % Vol. Dazu: ein leicht gekühlter Teller Charcuterie.

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AS Sirugue-Noëllat

Zurück nach Süden, in die Côte de Nuits. Die letzte Station ist Vosne-Romanée. Arnaud Sirugue stammt in fünfter Generation von der Domaine Robert Sirugue, Sophie Noëllat in sechster von Michel Noëllat. Gemeinsam führen die beiden rund elf Hektar, darunter ein schmaler Streifen Grands Échézeaux, 0,12 Hektar, kleinster Anteil unter den vierzehn Eigentümern der Lage. Und ihre Parzelle Les Barreaux grenzt direkt an Cros Parantoux, den Weinberg, den Henri Jayer berühmt gemacht hat.

Und ausgerechnet hier füllen die beiden einen Passe-tout-grains ab, den Wein, mit dem Burgunds Winzer früher den eigenen Durst gelöscht haben, gemacht mit demselben Handwerk wie die großen Weine. Philipp der Kühne hätte das Fass eigenhändig ausgekippt.

AS Sirugue-Noëllat Bourgogne Passetoutgrains rouge 2023

Bourgogne Passetoutgrains rouge 2023

Pinot Noir & Gamay · Vosne-Romanée · ca. 23 €

Der Pinot gibt diesem Wein die Kontur, der Gamay den Saft, zusammen bleiben sie bei schlanken 12,5 % Vol. Ein Alltagsburgunder aus einem Keller, in dem sonst Grand Cru reift. Näher kommt man Vosne-Romanée für 23 Euro nicht.

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Die Gamay-Route im Paket

Sechs Flaschen, sechs Stationen, am schönsten an einem Abend im Freundeskreis, mit Brot, Käse, Charcuterie und Cornichons. Eine halbe Stunde Kühlschrank vorweg tut allen sechs gut.

1× Romanesca Juliénas Les Fouillouses → siebzig Jahre alte Stöcke
1× Bret Brothers Saint-Amour Zen → der Norden des Beaujolais
1× Boris Champy Gamay Fin → Hautes-Côtes
1× Rougeot Les Vercherres → ohne Schwefelzusatz, aus Meursault
1× Château de Béru AmalGamay → vom Rand von Chablis
1× Sirugue-Noëllat Passetoutgrains → das Finale in Vosne-Romanée

Wir führen gut zwei Dutzend Gamay, von der Zehn-Euro-Flasche bis zur Magnum aus Moulin-à-Vent.

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Herzliche Grüße aus Berlin,

Lisa und das Team von
Lebendige Weine

P.S.: Den Moulin-à-Vent „Champ de Cour“ 2020 von Romanesca gibt es bei uns auch als Magnum. Anderthalb Liter von rund fünfzig Jahre alten Reben, 14,5 % Vol., eher Schmorbraten als Aperitif. Etwas für den Herbst, wenn die Tische wieder größer werden. Ca. 42 €.