Weinbrief ·
Preise und Verfügbarkeit: Stand 29. Juni 2025
Hallo,
vor zwei Wochen saß ich mit einem befreundeten Sommelier zusammen. Blindverkostung. Drei sauber aufgereihte Zalto «Universal» Gläser vor uns. []
„Rate mal", sagte er.
Erstes Glas: Straff, mineralisch, Zitrus.
„Chablis", sagte ich. Er nickte.
Zweites Glas: Cremig, komplex, salzig-lang.
„Meursault?", fragte ich. Er schüttelte den Kopf.
Drittes Glas: Tiefgründig, fast meditativ, endlos.
„Hmmm...Puligny?" Er grinste.
Alle drei waren Chablis.
Alle drei aus unserem Sortiment. Und alle drei haben mit dem Chablis-Klischee (Stahltank, grüner Apfel, fertig) so viel zu tun wie ein Smart mit einem Daimler.
Zwei Winzer, zwei Welten
Die großen Namen in Chablis machen weiter wie immer. Gut so – ihre Weine funktionieren. Aber zwei Häuser zeigen gerade, dass der Kimmeridge-Kalk noch ganz andere Geschichten erzählen kann. Persönliche. Kompromisslose.
Zwei Beispiele aus unserem Sortiment zeigen, wohin die Reise geht:
Domaine de l'Enclos – Romain und Damien Bouchard machen seit 2016 ihr eigenes Ding. Bio von Anfang an, 18 Monate Hefelager für jeden Wein, Handlese selbstverständlich. Das Ergebnis: Chablis mit Grip und Länge. Ihr „À l'Ouest" ohne zugesetzten Schwefel duftet einladend nach Hefe, mürbem Apfel und Salzzitrone – eine sinnliche Cremigkeit am Gaumen, die man so nicht erwartet.
Château de Béru – Athénais de Béru hat Weinberge wiederbelebt, die seit der Reblaus tot waren. Biodynamik auf 300 Metern Höhe, Monopollage mit Klostermauern aus dem 13. Jahrhundert. Ihr „Terroirs de Béru" zeigt, was klassischer Chablis kann: feingliedrige Mineralität, Anklänge von Muschelschalen und Meeresbrise, gepaart mit einer betörenden Saftigkeit.
Was macht diese Weine anders?
Es ist die Zeit.
Zeit geben. Während Mainstream-Chablis nach sechs Monaten auf den Markt kommt, lassen diese Winzer ihren Weinen 18 Monate, zwei Jahre, manchmal mehr. Das kostet. Das blockiert Kapital. Das macht Banker nervös. Aber es schafft Tiefe.
Den Zeitpunkt erkennen. Wann ist gerade reif genug? Die Chablis leben von klirrender Brillianz. Jeder Tag zu viel Sonne kostet Spannung. Jeder zu wenig – stechende Säure. Wann braucht der Wein Luft? Wann Ruhe? Diese Präzision im Timing macht den Unterschied zwischen gut und außergewöhnlich.
Den Zeitgeist ignorieren. Wider den Industriewein. Keine Effizienz um jeden Preis. Handlese statt Maschine. Wilde Hefen statt Turbohefe. Das Wissen um jeden einzelnen Stock.
Das Ergebnis? Bei l'Enclos entsteht durch die lange Hefelagerung diese unglaubliche Textur mit Schmelz – jugendliche Energie der Brüder, präzise, modern. Bei Béru entwickeln sich tiefgründige Aromen von Apfel und Birne, unterlegt mit zarten Röstnoten – die meditative Ruhe von Athénais, komplex, mit langem Nachhall.
Der praktische Teil
Wenn Sie neugierig geworden sind, empfehle ich:
Zum Kennenlernen: Die Village-Chablis beider Häuser. Schon hier zeigt sich die jeweilige Handschrift deutlich.
Für den Aha-Moment: Domaine de l'Enclos „Fourchaume" 2022 – ein Premier Cru, der zeigt, was moderner Chablis kann.
Für die tiefe Chablis-Meditation: Château de Béru „Clos Béru Monopole" 2019 – fünf Jahre Flaschenreife - jetzt ist er magisch.
Das Wort zum Sonntag
Diese Weine fordern Aufmerksamkeit. Sie wollen verstanden werden. Sie sind das Gegenteil von Supermarkt-Chablis. Aber wenn Sie bereit sind für Chablis, der Sie überrascht, der Sie fordert, der Sie belohnt – dann sind Sie hier richtig.
Herzlich aus Berlin,
Lisa und das Team von
Lebendige Weine
P.S.: Die Geschichten, die wir über Chablis noch zu erzählen haben, würden diesen Newsletter sprengen. Aber in unserem Journal finden Sie ein ausführliches Winzer- und Regionsportrait Chablis – falls Sie tiefer eintauchen möchten.
P.P.S.: Das Glas zur Verkostung (und auch allgemein mein Glas für alle Stunden) ist das Zalto Universal(waffe). Fast alle Weißweine karaffiere ich in der Denk Art 75. Besonders den jüngeren Jahrgängen ist das etwas mehr an Luft sehr positiv anzumerken.