Weinbrief ·
Preise und Verfügbarkeit: Stand 11. Dezember 2025
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Hallo,
Was trinken wir selbst zu Weihnachten? Diese Weine. Die, die hängen geblieben sind. Zum Innehalten, zum Teilen, für die Abende, die man nicht vergisst. Deutsche Rieslinge mit Finesse statt Kraft. Winzer-Champagner statt Konzernware. Sangiovese, wie er schmecken sollte.
Pinot Noir · Ahr · 2021
Nach der Flutkatastrophe 2021 hätten Julia Bertram und Benny Baltes aufgeben können. Stattdessen haben sie einen der präzisesten Ahr-Spätburgunder des Jahrgangs abgefüllt. Der Rosenthal duftet nach Sauerkirsche und Waldboden, zeigt am Gaumen 11,5% Alkohol, die sich anfühlen wie ein kühler burgundischer Jahrgang. Das Tannin: Seide über Schiefer. Biodynamik mit Schafen statt Traktoren.
Riesling · Mosel · 2022
Eine Monopollage seit 1335 – der Karthäuserhofberg gehört zu den historisch bedeutendsten Riesling-Terroirs Deutschlands. Das Große Gewächs 2022 riecht nach zerriebenen Schieferplatten und Bergamotte. Am Gaumen: knochentrocken, mit einer Spannung, die den Wein förmlich vorantreibt. Kein Wein zum Gefallen – einer zum Verstehen. Das Finale schmeckt nach nassen Kieseln.
Riesling · Rheinhessen · 2020
Kai Schätzel macht in Nierstein, was andere für unmöglich halten: Große Gewächse mit 11,5% Alkohol, die trotzdem Fülle und Kraft zeigen. Das Pettenthal 2020 ist goldgelb, leicht trüb – so will er das. Es duftet nach Quitte und Orangenschale, am Gaumen tanzt der Wein zwischen Herb und Üppig. Lange Hefelagerung, keine Filtration. Das ist die Zukunft des deutschen Weins – und sie hat bereits begonnen.
Riesling · Rheinhessen · 2022
Der Frauenberg: reiner Kalkfelsen, 40% Steigung, urkundlich erwähnt seit 1290. H.O. Spanier hat diese vergessene Lage in Rheinhessen wiederentdeckt und zu einem der besten deutschen Riesling-Terroirs gemacht. Das Große Gewächs 2022 zeigt sich noch verschlossen – Rauch, Kreide, ein Hauch Zitrus. Am Gaumen schmeckt man den Kalk: salzig, herb, mit pikanter Kräuterwürze. In fünf Jahren wird dieser Wein spektakulär sein. Jetzt ist er schon sehr gut.
Die Revolution in der Champagne findet nicht bei Moët statt. Sie passiert in kleinen Kellern, wo Winzer ihre eigenen Trauben keltern und auf dem Etikett RM steht – Récoltant-Manipulant. Vier davon, die es ernst meinen:
Chardonnay, Pinot Meunier · Champagne · NV
Chardonnay und Meunier – diese Assemblage sieht man selten, weil sie Mut erfordert. Der Terre d'Irizée stammt von einer einzigen Parzelle, deren Name auf dem Etikett steht. Extra Brut heißt hier: unter 6 g/l Dosage, also fast nichts. Der Wein muss selbst sprechen – und das tut er: Zitrus, grüner Apfel, Kreide. Straff und ohne Kompromisse.
Pinot Noir · Champagne · NV
Null Schwefel, null Dosage, 100% Pinot Noir. Was Drappier hier macht, würden die meisten Champagnerhäuser nie wagen. Der Brut Nature Sans Soufre riecht nach Bitterorange, reifen Äpfeln und Mandeln. Drei Jahre Hefelager, keine Filtration, das Degorgierungsdatum auf der Flasche eingraviert. Ein Champagner, der beweist, dass die Aube mehr kann als Côte des Bar-Klischees.
Pinot Noir · Champagne · 2022
Clandestin – der Name ist Programm: ein Undercover-Projekt von Bertrand Gautherot (Vouette et Sorbée) und Benoit Dousset aus der Côte des Bar. Der Boréal 2022 ist 100% Pinot Noir, Brut Nature, also null Dosage. Sauerteig, gesalzene Haselnüsse, Zitrus – cremig und mineralisch zugleich. Das ist Champagner für Leute, die wissen wollen, wie die Traube wirklich schmeckt.
Pinot Meunier, Chardonnay · Champagne · 2020
Pinot Meunier galt lange als die dritte Rebsorte der Champagne – gut für Fülle, aber nicht für Prestige. Jérôme Blin widerlegt diesen Unsinn. Sein La Pouillote 2020 zeigt 80% Meunier von alten Reben, ergänzt durch 20% Chardonnay. Das Ergebnis: Zitrus, weiße Blüten, kreidige Mineralität. So ernst kann Meunier schmecken, wenn man ihn ernst nimmt.
Sangiovese · Toskana · 2023
Radda liegt auf 500 Metern – hier oben wird Sangiovese nicht üppig, sondern straff. Tenuta di Carleone macht daraus einen Chianti Classico, wie man ihn früher trank: keine Überreife, keine neuen Barriques, 100% Sangiovese. Sauerkirsche, Veilchen, ein Hauch Thymian. Der Wein kostet 27 Euro und ist besser als mancher Riserva zum doppelten Preis. So muss Chianti sein.
Sangiovese · Toskana · 2018
2018 war in Montalcino ein großes Jahr – warm, aber nicht heiß. Der Vigna Nastagio kommt von Reben aus den 1940er Jahren, gepflanzt auf Boden mit 40% Kalkstein. Das riecht man: Waldbeeren, getrocknete Rose, Kampfer. 15% Alkohol, die man nicht spürt – das Tannin ist so fein, dass es den Wein trägt statt dominiert. Tonneaux statt Barrique. Ein Brunello für Traditionalisten mit offenem Geist.
Cabernet Franc · Toskana · 2018
Reinsortiger Cabernet Franc aus der Toskana – das klingt nach Experiment, ist aber längst Weltklasse. Der Duemani 2018 wächst auf Kalk nahe dem Meer, 220 Meter hoch. Er riecht nach Cassis, Paprika und Zimt – die typische Franc-Aromatik, aber ohne die grüne Strenge. Am Gaumen: kühl, fokussiert, mit einem Tannin wie Seide. Wer Cheval Blanc liebt, aber 500 Euro sparen will, ist hier richtig.
Ich besitze genau eine Glassorte für Wein: Zalto Universal. Mundgeblasen in Österreich, so dünn, dass man Angst bekommt. Aber sie überleben die Spülmaschine – und sie machen jeden Wein besser.
Weinglas · 2er Set
555 ml Fassungsvermögen, 235 mm hoch, gefertigt in Winkeln, die auf der Erdneigung basieren – so jedenfalls die Legende. Wichtiger: Das Universal funktioniert für alles. Riesling, Barolo, Champagner. Die extreme Dünnwandigkeit lässt den Wein am Gaumen ankommen, nicht das Glas. 94 Euro für zwei Stück. Pro Jahr zerbreche ich vielleicht eines.
Dekanter · 1400 ml
Muss man Wein dekantieren? Junge, tanninreiche Rotweine: ja. Gereifte Burgunder: vorsichtig, wenn überhaupt. Der Axium fasst 1400 ml, die breite Bodenfläche gibt dem Wein Luft. 30 Minuten reichen meist – Stunden im Dekanter sind Folklore. Mundgeblasen, bleifrei, handwerklich ein Einzelstück. Für die Weine oben: empfohlen beim Duemani und beim Brunello.
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Was diese Weine verbindet: Sie schmecken nach ihrem Ort, nicht nach ihrem Ausbau. Sie setzen auf Finesse statt Kraft. Und sie werden von Menschen gemacht, die wissen, wann sie eingreifen müssen – und wann nicht.
Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag!
Ihr Team von
LebendigeWeine.de
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